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Telefonische Reanimation hilft, Leben zu retten:

Leitstellen-Disponenten geschult

Sven Ochse zählt zu den Leitstellen-Disponenten im Kreis Groß-Gerau, die speziell geschult worden sind, um Anrufer telefonisch bei Wiederbelebungsmaßnahmen zu helfen. An erster Stelle steht jeweils die strukturierte Notrufabfrage, um herauszufinden, wie die konkrete Situation ist. Während der Rettungsdienst auf dem Weg zum Einsatzort ist, wird am Telefon nach einem starren Ablaufschema bereits gezielt geholfen. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Wenn das Telefon in der Zentralen Leitstelle des Kreises Groß-Gerau klingelt, geht es häufig um Leben und Tod. Zwar sind Rettungsfahrzeuge und Helfer in der Regel innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist von zehn Minuten am Einsatzort. Doch selbst diese Zeitspanne oder auch eine zwei, drei Minuten frühere Eintreffzeit nach Alarmierung kann zu lang sein, wenn es sich beim Patienten um einen Herz-Kreislauf-Stillstand handelt, sagt Dr. Marco Renth, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Kreises Groß-Gerau. Denn nach fünf Minuten ohne Sauerstoffversorgung nimmt das Gehirn irreversiblen Schaden.

Darum geben die Disponenten in der Leitstelle den Anrufern in solchen Fällen klare Anweisungen, wie sie in der Zeit helfen können, bis die professionellen Retter eintreffen.

„Wiederbelebungsmaßnahmen sind dann nötig, wenn ein Patient bewusstlos ist und nicht mehr normal atmet“, sagte Marco Renth bei einem Pressetermin zum Thema Telefonreanimation im Gefahrenabwehrzentrum im Groß-Gerauer Landratsamt. Durch klare, immer gleich strukturierte Abfragen beim Anrufer müssen die Leitstellendisponenten herausfinden, in welcher Lage sich die Hilfesuchenden befinden. „Ein Disponent, eine Disponentin kann am Telefon nur hören. Ihm fehlen die anderen Sinneseindrücke. Daher muss er viele Fragen stellen“, so Renth. Außerdem sind die Anrufer oft sehr aufgeregt, müssen beruhigt und mit der Stimme geführt werden.
Niemand kann zu Wiederbelebungsmaßnahmen gezwungen werden, aber die Erfahrung zeigt: Wenn ein Disponent am Telefon erklärt „Ich sage Ihnen jetzt, was Sie machen“, geben sich auch aufgeregte, ängstliche Menschen einen Ruck und starten nach Anleitung mit der Herzdruckmassage. Und helfen so, Menschenleben zu retten und Dauerschäden von Patienten abzuwenden.

Daher sind entsprechende Schulungen bereits in jungen Jahren wichtig. Vorbildlich gehen in diesem Zusammenhang skandinavische Länder vor, findet Marco Renth. Schulunterricht in Erster Hilfe sei dort verpflichtend. Aber auch in Deutschland gebe es Bestrebungen, ab Jahrgangsstufe 7 solche Unterrichtsstunden einzuführen.

Der Kreis Groß-Gerau trägt seinen Teil zu besserer Hilfeleistung bei, indem er seit Ende 2015 mittlerweile alle 19 Disponenten, die in der Leitstelle arbeiten, im Rahmen der üblichen Fortbildung in Telefonreanimation geschult hat. Theoriestunden wurden dabei durch praktische Einheiten ergänzt, sagt Dr. Marco Renth. Denn die „Stresssituation in echt können Sie nicht theoretisch üben“.
Die Schulung hat  sich bereits ausgezahlt. Die Rate der telefonisch angeleiteten Reanimationen stieg von 15 auf 37 Prozent. Pro Jahr gibt es 200 bis 250 Fälle im Kreis, in denen bei einem Notruf Wiederbelebung nötig ist. Die telefonische Hilfestellung soll im ersten Quartal 2018 sogar noch ausgeweitet werden auf andere Rettungsszenarien.

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