Köpfe der Kreisverwaltung

Harald Bott, immer bereit für neue Aufgaben

Harald Bott

Harald Bott, Leiter der Stabsstelle Asyl und Zuwanderung, hat eine „klassische Verwaltungsausbildung“. Er absolvierte die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten in der Stadtverwaltung Weiterstadt. Nach dem Abschluss 1978 folgte die Zeit als Inspektorenanwärter (1978 bis 1981), an deren Ende die zweite Verwaltungsprüfung und der Eintritt in den Gehobenen Dienst standen.

„In Weiterstadt habe ich in Allgemeiner Verwaltung, Organisation und Personalamt gearbeitet“, erzählt Harald Bott. Er habe „schon immer“ gern Verantwortung übernommen und Dinge angestoßen – dazu zählt auch die Gründung einer Betriebssportgruppe in Weiterstadt, die „heute noch besteht“, denn Fußball war schon immer sein Hobby. Auch am Aufbau der mittlerweile seit 30 Jahren bestehenden Partnerschaft Weiterstadts zu Verneuil-sur-Seine nahe Paris wirkte Harald Bott dienstlich mit.

Schon in relativ jungen Jahren wurde der 1960 geborene Harald Bott Amtsrat. Er spezialisierte sich im Personalwesen und schloss seine Weiterstädter Zeit als Personalsachgebietsleiter im Hauptamt Ende 1993 ab. Ab Januar 1994 war er erst Personalleiter der Riedwerke, dann Hauptabteilungsleiter Verwaltung, was einen Wechsel in den Höheren Dienst mit sich brachte. Als ums Jahr 2000 die Umstrukturierung der Riedwerke anstand, „ging mein Bereich - Kaufmännisches, Organisation, EDV – über zu Hessenwasser“. Dafür gab es neue Aufgaben: Der damalige Landrat Enno Siehr wollte den Ausbildungsverbund Metall (AVM) in die Riedwerke integrieren. Harald Bott entwarf die Konzeption dafür, wurde im Herbst 2002 AVM-Geschäftsführer. Er wurde für fünf Jahre zum AVM abgeordnet. Er sagte danach weitere fünf Jahre zu, zeigte aber auch Interesse an neuerlicher beruflicher Veränderung.

So kam es, dass er nach insgesamt acht Jahren AVM die Leitung des Schul- und Gebäudeservices in der Kreisverwaltung übernahm. Dafür gab es wieder fünf Jahre Abordnung von den Riedwerken, diesmal an den Kreis: vom 1. September 2010 bis zum 21. August 2015, nennt Harald Bott die genauen Daten. „Danach wäre ich gern zu den Riedwerken zurückgegangen, aber dann kam der Sommer 2015.“ Landrat Thomas Will trug ihm an, die Stabsstelle Asyl und Zuwanderung zu übernehmen. Nach einer kurzen Bedenkzeit sagte Harald Bott zu. Als weiterhin Riedwerke-Beamter hat er nun eine dreijährige Abordnung an diese Stabsstelle.

Harald Bott lebt in Braunshardt. Er ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn – der angesichts der Fußballbegeisterung des Vaters bereits im zarten Alter von vier Jahren bei den Fußballern in Weiterstadt angemeldet wurde.  Der Junge wollte aber lieber Handball spielen, und so kam auch Harald Bott zum TSV Braunshardt. Später wurde die Spielgemeinschaft mit SG Weiterstadt und TSG Worfelden daraus, die heute ein eigenständiger Verein ist. Bis 2016 war Harald Bott dort Vorsitzender, seit September 2016  ist er Finanzvorstand.

 

Stabsstelle Asyl und Zuwanderung

„Die Unterkunftsthematik haben wir mittlerweile im Griff.“ Das sagt Harald Bott, Leiter der Stabsstelle Asyl und Zuwanderung in der Kreisverwaltung Groß-Gerau. Seit dem Herbst 2015, als sehr viele geflüchtete Menschen im Landkreis ankamen und auf die Schnelle Erstunterkünfte in Biebesheim und Goddelau hergerichtet werden mussten, hat sich die Lage deutlich entspannt. Auch die im Auftrag des Landes errichtete Gemeinschaftsunterkunft zwischen Büttelborn und Groß-Gerau wird nicht mehr belegt und zurückgebaut.

Ende des Jahres 2016 kamen wöchentlich rund 15 Menschen an. Die Gruppen werden donnerstags am Landratsamt empfangen und auf Unterkünfte verteilt. Gemeinschaftsunterkünfte gibt es über den gesamten Kreis verteilt in den Kommunen. Schwierig wird es angesichts des knappen Wohnraums im Ballungsgebiet Rhein-Main allerdings, für die Flüchtlinge mit Bleiberecht Wohnraum zu finden. Auch mit dieser Aufgabe beschäftigt sich das 18-köpfige Team von Harald Bott, dem fürs operative Geschäft seine Stellvertreterin Olga Stüwe zur Seite steht.

Der Chef kümmert sich um Grundsatzfragen und Organisation. Außerdem ist bei ihm direkt der Aufgabenbereich Öffentlichkeitsarbeit und Ehrenamt angesiedelt. Die Mitarbeiter der Stabsstelle können frei agieren und vieles selbst entscheiden, beschreibt Harald Bott die Arbeitsweise. Sie kümmern sich ums Objektmanagement, Statistik und Finanzen, Unterkünfte und Mitverträge, aber auch Mängelmeldungen.
Bei Belegung von Wohnraum und Auszug gibt es Unterstützung von außen. Die damit verbundenen Fragen werden gemeinsam mit drei Dienstleistern im sozialpädagogischen Bereich geregelt. Dies sind Diakonie, Caritas und die Sozialagentur Fortuna, die insgesamt rund 40 Menschen dafür beschäftigen. Zum Teil kümmern sich die Kommunen auch selbst um die sozialpädagogische Betreuung, wie zum Beispiel Raunheim. In Groß-Gerau gibt es ein Mischkonzept, berichtet Harald Bott.

„Ich bin oft mit draußen“, sagt der Stabsstellenleiter, der den Überblick behalten will und muss. Ihm macht die „reizvolle Aufgabe“ Spaß. Es geht viel ums Organisieren und Managen. Und: „Das Team passt. Da muss bei aller Arbeit auch gelacht werden können und gute Stimmung sein“, beschreibt Harald Bott seine Auffassung. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürften auch mal Fehler machen („nicht zu oft, wenn es geht“).  Dann wird darüber geredet und geschaut, wie es sich künftig besser machen lässt.

Sich selbst beschreibt Harald Bott als flexibel. Er braucht Veränderung und Abwechslung, sagt er: „Durch jede Aufgabe habe ich wieder Neues gelernt und den Horizont erweitert.“ Und natürlich sein berufliches Netzwerk weiter geknüpft. Die Kontakte stehen, sei es zu Bürgermeistern, Unternehmen oder den Riedwerken. Das kommt ihm nun auch in der Stabsstelle Asyl und Zuwanderung zugute.

Angela Carstens, im Einsatz für die Gesundheit

Dr Carstens

Die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz, Dr. Angela Carstens, ist im Kreis Aachen aufgewachsen und hat in Heidelberg Medizin studiert. Nach dem Staatsexamen  folgte eine internistische Weiterbildung am Zentrum für Innere Medizin am Bürgerhospital in Stuttgart. Kliniken in Kandel, Pforzheim und Schömberg (psychosomatische Klinik) waren weitere Stationen ihres beruflichen Werdegangs. 

1997 stand der Wechsel ins Gesundheitsamt des Kreises Groß-Gerau an.  Dort arbeitete sie bis 2007 in Teilzeit in verschiedenen Fachdiensten und schrieb in der freien Zeit ihre Dissertation zum Thema „Heilpraktikerwesen in Deutschland und öffentlicher Gesundheitsdienst“.

Im Jahr 2004 besuchte Frau Carstens für sechs Monate die Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf und qualifizierte sich zur Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen weiter. Im Jahr 2007 übernahm sie die stellvertretende Leitung, seit Januar 2009 ist sie Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz.

Angela Carstens, Jahrgang 1960, ist verheiratet und hat einen Sohn. Ihre Hobbys sind Tanzen, Skilaufen und Theater.

Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz

Ein weites Feld hat der Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz in der Kreisverwaltung zu beackern. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich auf 44 Vollzeitstellen verteilen, arbeiten in den Fachdiensten Verwaltung und Organisation, Amtsärztlicher Dienst, Gesundheitsschutz, Jugendärztlicher Dienst, Jugendzahnärztlicher Dienst, Soziale Dienste sowie Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz. Zu den damit verbundenen täglichen Arbeiten kommen immer wieder auch Sonderaufgaben, erläutert Fachbereichsleiterin Dr. Angela Carstens.

Sie denkt da zum Beispiel an die große Zahl im Kreis ankommender Flüchtlinge ab September 2015, als ihr Amt mit der hygienischen Überwachung der Erstaufnahmeeinrichtung in Biebesheim betraut war und zudem die Ankömmlinge medizinisch untersuchen musste. Aber auch Fälle von Vogelgrippe, Hepatitisviren in Lebensmitteln, Ebola, Norovirus-Erkrankungen oder das Auftreten multiresistenter Keime in Kliniken beschäftigen den Fachbereich, der auf alle Eventualitäten vorbereitet sein muss – und das oft überraschend, nach nur kurzer Vorwarnzeit.

„Der Gesundheits- und Infektionsschutz ist unsere Kernkompetenz im öffentlichen Gesundheitsdienst, der dritten Säule des Gesundheitswesens neben der ambulanten und stationären Versorgung“, sagt Angela Carstens. Wesentliche Aufgabe sei es, Schaden von der Bevölkerung abzuhalten. Dabei spielt die Prophylaxe eine große Rolle, aber auch die Suche nach etwaigen Infektionsquellen und das Unterbrechen von Infektionsketten. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung ist Angela Carstens wichtig. „Wir sind die Kontrollinstanz im Kreis, aber Beratung steht an erster Stelle“, betont sie. So gibt es etwa infektionshygienische Begehungen von Praxen (Ärzte, Heilpraktiker, Fußpfleger) und Kliniken, aber auch von Kindergärten, Tattoo-Studios oder Altenheimen. Zu diesem Zweck sind Ärzte, Gesundheitsaufseher, Tierärzte, Lebensmittelkontrolleure und eine Hygienefachkraft unterwegs.

Überhaupt arbeiten im Fachbereich Veterinär- und Humanmediziner eng zusammen, um Tierseuchen frühzeitig zu bekämpfen und eine Übertragung auf den Menschen zu verhindern. Die Abteilung Veterinärmedizin überwacht außerdem die Einhaltung des Tierschutzgesetzes und die artgerechte Haltung der Tiere. Hierzu sind zwei Tierärztinnen und zwei Tiergesundheitsaufseher im Einsatz.

Als weiteres Beispiel für die zahlreichen Aufgaben ihres Fachbereichs erwähnt Dr. Carstens die Begutachtungen, die der amtsärztliche Dienst übernimmt. Dessen Mitarbeiterinnen begutachten zum Beispiel Lehrer/innen vor der Verbeamtung und untersuchen Klienten im Auftrag des Sozialamts und des Jobcenters, um zu beurteilen, ob gesetzliche Leistungen aus medizinischer Sicht notwendig sind. Bei all diesen Begutachtungen ist das Gesundheitsamt eine „neutrale, unabhängige Instanz“, so Angela Carstens.

Auch im kinder- und jugendärztlichen Bereich gibt es viel zu tun: Alle angehenden Erstklässler im Kreis Groß-Gerau werden bei den Schuleingangsuntersuchungen auf ihre Gesundheit untersucht. Zusätzlich wird  vom Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienst der Zahnstatus aller Grundschulkinder  gecheckt. Die Zahnärztin und ihre Helferinnen fluoridieren die Zähne besonders gefährdeter Schülerinnen und Schüler.
Dank all dieser Untersuchungen gibt es gute Daten für die Gesundheitsberichterstattung, sagt Angela Carstens. So weiß man, dass es einen guten Impfstand bei den Kindern gibt. Dagegen treten manche sprachlichen Defizite zutage oder auch Schwächen bei der Motorik (Fein-/Grob-Koordination). Solche Erkenntnisse helfen wiederum, Maßnahmen zur Verbesserung ergreifen.

Auch die Frühen Hilfen (aufsuchende Hilfe für Mütter und Väter in psycho-sozialen Problemlagen, Unterstützung bei Pflege und Ernährung, Kommunikation mit dem Baby und Kleinkind) leisten ihren Teil, um die Lage der Menschen im Kreis zu verbessern; zwei speziell weitergebildete Kinderkrankenschwestern sind dazu im Einsatz. Überhaupt das Stichwort Sozialmedizin: Das öffentliche Gesundheitswesen unterstützt Menschen in Notlagen, die keinen oder wenig Zugang zum traditionellen Gesundheitssystem haben. So besuchen Sozialarbeiter Patienten zuhause, um sie zu beraten und Hilfen zu vermitteln.

Eine weitere Aufgabe kommt durch das neue Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz Hessen auf den Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz zu. Eine zentrale, niederschwellige und neutrale Anlaufstelle für Leute mit psychischen Problemen soll ab Sommer 2017 auch im Kreis Groß-Gerau entstehen.

Es bleibt also immer spannend im Fachbereich. „Das Interessante an einer Tätigkeit im Gesundheitsamt ist die Vielfältigkeit der Aufgaben und die Kombination von Individual- mit Bevölkerungsmedizin“, sagt die Fachbereichsleiterin. Sie schätzt den Teamgedanken in ihrer Abteilung. Fehlende personelle Ressourcen werden durch „Professionalität und Kompetenz der Beschäftigten“ kompensiert. Fortbildung wird großzügig unterstützt – und „wir kommen Müttern und Vätern in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit entgegen, damit sich Job und Familie optimal verbinden lassen.“

Ulrike Cramer, die Netzwerkerin

U. Cramer

Ulrike Cramer, Leiterin der Fachbereiche Jugend und Familie sowie Soziale Sicherung, arbeitet seit 1979 für den Kreis Groß-Gerau, als sie Jugendbildungsreferentin in Kreisjugendpflege/Jugendbildungswerk des Kreises Groß-Gerau wurde. Vorangegangen war ihre schulische und berufliche Qualifikation von der Mittleren Reife über den Arzthelferinnenbrief, das Fachabitur an der Fachoberschule für Sozialpädagogik und das Studium an der Fachhochschule Wiesbaden (Abschluss 1979: Diplom-Sozialpädagogin). 

Als sie das Studium an der damals noch jungen Fachhochschule 1975 begann, gehörte sie zum ersten Jahrgang  im neuen Fachbereich Sozialwesen, erinnert sich die  1955 geborene Ulrike Cramer, die in Wallau aufgewachsen ist. Das sei spannend und bereichernd gewesen. Zum Beispiel wurde, statt eines Jahres-praktikums am Ende des Studiums, das Studium praxisbezogen mit einem Projekt ab dem zweiten Semester umgesetzt. Cramers Themenschwerpunkt war außerschulische Jugendbildungsarbeit – gewerkschaftliche Jugendarbeit und Partizipation von Jugendlichen im Jugendzentrum.

Während ihres Projekt-Studiums arbeitete Ulrike Cramer in einem Jugendzentrum in Wiesbaden, das in einem sozialen Brennpunkt lag. Über diesen Job entstanden Kontakte zur außerschulischen Jugendarbeit im Kreis Groß-Gerau. Zeitgleich mit dem Studienabschluss wurde damals gerade das Jugendbildungswerk des Kreises eingerichtet. Als in diesem Zusammenhang zwei Bildungsreferenten/-referentinnen eingestellt wurden, war Ulrike Cramer eine davon.

Von 1979 bis 1986 war sie Jugendbildungsreferentin, baute in dieser Funktion die Jugendzentrumsarbeit im Kreis auf. Sie knüpfte Kontakte zu den kommunalen Jugendpflegen, unterstützte die selbstverwalteten Helferinnen und Helfer in der Jugendarbeit, warb bei den Bürgermeistern für die Jugendzentren. Zu ihren Schwerpunkten gehörten  zudem der Aufbau der Mädchenarbeit und deren Vernetzung mit der Frauenarbeit im Kreis. Ulrike Cramer förderte Mädchengruppen, Schülerinnenseminare und Bildungsurlaube. So war es eine logische Folge, dass sie 1986, in der Amtszeit von Landrat Willi Blodt, Kreisfrauenbeauftragte wurde, was sie bis 1992 blieb.

In diesen Jahren baute sie das Kreisfrauenbüro auf, koordinierte Frauengruppen und -projekte im Kreis, netzwerkte mit Frauenhäusern, Volkshochschulen und Landfrauen. Auch die Entwicklung des Gesamtkonzepts gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen für den Kreis fiel in diese Zeitspanne. Ulrike Cramer initiierte den Arbeitskreis „Gewalt in der Familie“ und vernetzte alle, die an der Prävention von Gewalt im sozialen Nahraum  arbeiten (Jugendämter, Beratungsstellen, Polizei). Auch „Wildwasser“, der Verein gegen sexuelle Gewalt,  entstand in dieser Zeit. Zum Ende ihrer Phase als Frauenbeauftragte hin befasste sich Ulrike Cramer zudem noch mit dem Thema Frauen in Pflege und mit der Altenhilfeplanung für den Kreis.

Als der damalige Landrat Enno Siehr sie 1993 fragte, ob sie die neue Hauptabteilung Soziales (Sozial- und Jugendamt) leiten wolle, „war das überraschend für mich, aber auch spannend“, sagt Ulrike Cramer im Rückblick. In dieser Funktion begann sie dann, die Sozialplanung des Kreises aufzubauen. Sie kümmerte sich um die Etablierung der Sozialberichterstattung im Kreis und den kontinuierlichen fachbereichsübergreifenden Sozialdatenmonitor, um die Strukturierung und Koordinierung der sozialen Infrastruktur im Kreis, das Netz der Beratungsstellen, den Aufbau der Altenhilfe-, Behindertenhilfe- und gemeindepsychiatrischen Struktur - und um die heute selbstverständliche Übersicht der sozialen Netzwerke im Kreis Groß-Gerau.
Bis heute, nach mehreren Änderungen in der Organisationsform, ist Cramer für diese Bereiche zuständig: seit 2015, als Schulsozialarbeit und Jugendberufshilfe zum Fachbereich Bildung und Schule abgegeben wurden, als Fachbereichsleiterin von „Jugend und Familie“ (rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) sowie „Soziale Sicherung“ (80).

Berufsbegleitend hat sich die verheiratete Fachbereichsleiterin mehrfach weitergebildet. Unter anderem studierte sie 1991 bis 1995 an der Uni in Frankfurt am Main mit dem Abschluss Diplompädagogin. Schwerpunkt des Studiums war die Erwachsenenbildung (Lernen in Organisationen).  Zu ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten zählte 1997 bis 2005 der Vorsitz des Vereins Lebenshilfe Wohnstättenwerk Biebesheim. Seit 1994 ist sie Mitglied im bundesweiten Netzwerk Verein für Sozialplanung.

 

Die Arbeit in den Fachbereichen Jugend und Familie sowie Soziale Sicherung

Zahlreich sind die Aufgaben, die die beiden Fachbereiche übernehmen, welche Ulrike Cramer leitet. Zu „Soziale Sicherung“ zählen die vier Fachdienste Grundsatz und Fachcontrolling, Einzelfallberatung, -steuerung und Sozialplanung, Soziale Hilfen (Allgemeine und Besondere) sowie die Wohngeldstelle. Beim Fachbereich „Jugend und Familie“ sind es sechs Fachdienste:  Wirtschaftliche und rechtliche Jugendhilfe, Allgemeine Soziale Dienste, Besondere Soziale Dienste, Jugendförderung, Kindertagesbetreuung und Erziehungsberatungsstelle. Insgesamt arbeiten in beiden Fachbereichen rund 200 Leute. 

Jede Menge Aufgaben, jede Menge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:  „Das geht nur mit einem guten Team, einer guten Organisation und kompetenten Fachdienstleitungen“, sagt Fachbereichsleiterin Ulrike Cramer, die mit diesen lenkend und koordinierend auf die Organisation  einwirkt. Die Fachdienste arbeiten eng und vertrauensvoll zusammen. Darüber hinaus gibt es viele Schnittstellen zu anderen Fachbereichen der Kreisverwaltung: zum Beispiel zum Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz, zum Kommunalen Jobcenter, zu den Stabsstellen der Politischen Steuerung und zur Stabsstelle Asyl und Zuwanderung, betont  Ulrike Cramer.

Die Fachfrau lobt die „hohe politische Bedeutung und Aufmerksamkeit für das Thema Soziales“ im Kreis Groß-Gerau, die sie schon zu Landrat Willi Blodts Zeiten erlebt hat und die unter Landrat Thomas Will weiter gilt.  „So wurden zum Beispiel bei der unerwarteten Zunahme der Zuwanderung im Herbst 2015 mit breiter politischer Zustimmung die personellen Voraussetzungen für ausreichend Personal zur Sicherung der Aufnahme umgesetzt. Wir danken dem Landrat sehr, dass er uns damit ermöglicht, die Personalentwicklung an der Fallentwicklung zu orientieren und so sinnvolle Arbeitsbedingungen für die Lösung sozialer Probleme zu sichern“, sagt Ulrike Cramer.

Ausreichendes und qualifiziertes Personal ist in den Augen der Fachbereichsleiterin das A und O, um präventiv arbeiten zu können.  Die Schulsozialarbeit des Kreises (seit 2015 im Fachbereich Bildung und Schule angesiedelt) ist laut Cramer ein gutes Beispiel für wirksame vorbeugende  Arbeit.
Die Investition in präventive Strukturen durch Schulsozialarbeits-Personal in allen Schulen zahlt sich aus. Obwohl der Kreis Groß-Gerau in seiner Sozialstruktur hohe Belastungen aufweist – hohe Transferleistungen, hohe Zuwanderung –, „ist die Jugendhilfequote unauffällig“. Kinder-  und Jugendschutz, Bildungs- und Erwerbsteilhabe für alle, soziales Miteinander – das sind die politischen Ziele, für deren Umsetzung  Ulrike Cramer mit ihren Teams Verantwortung trägt. „Wir tun dies nicht allein, sondern mit allen Partnern im Kreis, den Regeleinrichtungen wie Kitas und Schulen, mit den Kommunen, den Verbänden und der freien Wohlfahrt. Die Netzwerkpartner reichen auch in den Bereich der Polizei, der Gerichte und der Wohnungswirtschaft.“ Sozialräumliche Vernetzung ist für den Fachbereich ein Arbeitsprinzip und „Garant dafür, dass wir unsere Arbeit wirkungsvoll und abgestimmt tun, dass wir die jeweiligen Ressourcen einbeziehen und Hilfe zur Selbsthilfe (für die Strukturbildung in der Kommune oder im Fall) ermöglichen“, sagt Ulrike Cramer: „Wenn wir zusammenwirken und uns vernetzen, gewinnen alle.“  So sind transparente und wohnortnahe Beratungsnetzwerke entstanden, die sich stets weiterentwickeln: zum Beispiel unter der Überschrift Familienzentren, generationenübergreifende Hilfe oder Integration von Menschen mit Behinderung oder Neubürgern. 

Impulse für die Weiterentwicklung ergeben sich etwa bei den kommunalen Jahresgesprächen zwischen allen sozialpolitischen Akteuren im Ort und den zuständigen Stellen des Kreises. Oder beim Regionalplenum, bei dem die Bürgermeister mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Beratungsstellen, vom Kommunalen Jobcenter sowie von den beiden Fachbereichen Jugend und Familie und Soziale Sicherung die soziale Lage der Region diskutieren. Grundlage für diesen Austausch ist der jährliche Sozialdatenmonitor, der im Fachbereich Soziale Sicherung erstellt wird. Er bietet einen Überblick über aktuelle, statistisch messbare Entwicklungen im Kreis. „Alle berichten im Regionalplenum, wie sie diese Entwicklungen erleben, welche Auswirkungen damit verbunden sind, woran sie arbeiten und wie es aus ihrer Sicht weiter gehen soll“, sagt Ulrike Cramer.

In ähnlicher Form organisiert der Fachbereich auch mit der Liga der freien Wohlfahrtsverbände fachliche Jahrestagungen. Die Ergebnisse dieses Austauschs werden als Dokumentationen aufbereitet und dienen der politischen Beratung des Kreistags als Grundlage und als Impulse für kontinuierliche Verbesserungen.

Sven Christiansen, Architekt in der Regionalentwicklung

Sven Christiansen

Sven Christiansen leitet den Fachbereich Regionalentwicklung, Bauen und Umwelt in der Kreisverwaltung. Nach seinem Studium (Architektur und Städtebau) in Hannover, das er 1988 abschloss, trat er seine erste Stelle direkt im Kreis Groß-Gerau an. „Ich habe in der Bauaufsicht angefangen“, erinnert sich der 1962 geborene und aus Emden stammende Fachbereichsleiter. 

„Es hat mir viel Spaß gemacht in der Bauaufsicht“, die damals noch ein eigenständiger Bereich war, sagt Sven Christiansen. Seit 2015 gehört das Gebiet wieder zu seinen Aufgaben, weil es in seinen Fachbereich eingegliedert wurde.

Abteilungsleiter wurde Sven Christiansen 1993, als der damalige Landrat Enno Siehr ihn beauftragte, eine neue Abteilung Regionalentwicklung zu schaffen. Damals zählte auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zu den Arbeitsfeldern; Ende der neunziger Jahre folgte die Ausgliederung in die dann aus der Taufe gehobene Lokale Nahverkehrsgesellschaft.  Viel beschäftigt war Christiansen in dieser Zeit in Zusammenhang mit der 1995 vollzogenen Gründung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). „Das war damals eine echte Innovation“, betont der Fachbereichsleiter.

Im Laufe der Jahre kamen weitere Aufgabengebiete hinzu, zum Beispiel die Wasserbehörde und die Naturschutzbehörde. Insgesamt arbeiten rund 50 Leute in dem facettenreichen Fachbereich - etwa 25 von ihnen in der Bauaufsicht, in der auch Denkmalschutzfragen und die Wohnungsbauförderung behandelt  werden.

Sven Christiansen liegt der Natur- und Umweltschutz am Herzen, wird im Gespräch mit ihm deutlich. Er sagt selbst: „Ich bin sehr engagiert für Naturschutz.“ Ihn interessieren Fachthemen wie flächensparendes Bauen oder der Artenschutz. „Bei Bauprojekten wird, wenn es zu Verzögerungen kommt, gern auf dem Naturschutz herumgehackt. Aber oft ist der gar nicht der Grund für die Probleme. Artenschutz ist meist ein lösbares Problem, aber Planer müssen die Vorgaben ernst nehmen. Geschützte Arten dürfen nicht einfach getötet werden.“ Der Fachbereichsleiter legt in den Diskussionen Wert auf sachliche und unideologische Arbeit, betont er.

Um etwas für die Umwelt zu tun, fährt Sven Christiansen ein Hybrid-Auto, würde sogar gern auf ein hundertprozentiges Elektrofahrzeug umsteigen. Er ist sich sicher, dass solche Wagen bald erschwinglicher werden und die Zahl der Ladesäulen, auch im Kreis Groß-Gerau, zunimmt. Auch der Kreis hat Überlegungen gestartet, seinen Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umzustellen, sagt Christiansen. Nicht nur der Abgasskandal zeige, dass „wir Verbrennungsmotoren eigentlich nicht mehr brauchen“, sagt der verheiratete Vater einer Tochter.

Der Wallerstädter fährt ohnehin so oft wie möglich mit dem Fahrrad. Sportliche Betätigung und Yoga zählen zu seinen Hobbys.

 

Der Fachbereich Regionalentwicklung, Bauen und Umwelt

Im Fachbereich Regionalentwicklung, Bauen und Umwelt hatte und hat Leiter Sven Christiansen es mit einer Vielzahl von Themen zu tun: von der Bauaufsicht über den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – wobei die Bahnhöfe über viele Jahre ein wichtiges Thema waren – bis zu Grundwasser- und Umweltschutz. Der Fachdienst Wasser- und Bodenschutz erfasst zum Beispiel alle Öltanks und sonstige Tanks im Kreisgebiet, etwa an Tankstellen. „Das ist wie ein TÜV. In gewissen Abständen werden die Tanks überprüft“, sagt Sven Christiansen.

Als Naturschutzbehörde erlebt der Fachbereich häufig Kontroversen und Interessenskonflikte, wenn es um Bauprojekte geht. „Wenn man sich die Probleme im Detail anguckt, kommt man im Einzelfall aber oft zu Lösungen“, ist Sven Christiansens Erfahrung. Was die Naturschutzgebiete im Kreis Groß-Gerau betrifft, so ist zwar das Land Hessen dafür zuständig, „aber wir sind fachlich eingebunden mit unseren Biologen und Landschaftsplanern“. Auch das Thema Artenschutz beschäftigt den Fachbereich häufiger.

Zu den Verkehrsthemen, die unter der Überschrift Regionalentwicklung einsortiert sind, zählt nicht nur der ÖPNV. Der Fachbereich von Sven Christiansen ist auch mit dem Ausbau des Radwegenetzes im Landkreis beschäftigt; die Radverkehrsbeauftragte des Kreises Groß-Gerau gehört zu den rund 50  Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fachbereichs. Als Straßenbaulastträger ist der Kreis für die Kreisstraßen zuständig, als Verkehrsbehörde für die Genehmigung von Beschilderung und Verkehrslenkung an/auf Bundesstraßen.

Enge Zusammenarbeit gibt es mit dem Fachbereich Wirtschaft und Energie, zum Beispiel bei der Klage gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens, die noch immer läuft. Die ICE-Neubaustrecke bleibt Thema. Immer aktueller für den Kreis und den Fachbereich wird die E-Mobilität. „Wir sind im Gespräch mit Elektroversorgern in der Region“, zum Beispiel, was die nötigen Ladestationen angeht, sagt Sven Christiansen. Auch solle geprüft werden, ob der Fuhrpark des Kreises auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden und man dabei mittelfristig sogar Geld sparen kann.

Im Fachdienst Bauen ist die Bauaufsicht angesiedelt. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen sich außerdem mit Denkmalschutz und Wohnungsbauförderung. Das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ ist dem Kreis so wichtig, dass er dazu Tagungen anbietet. Sven Christiansens Fachbereich berät die Kommunen bei der Bauleitplanung und befasst sich mit der vorangehenden Regionalplanung. „Der Wohnungsbau hängt auch wieder stark mit der Flughafenthematik zusammen“, sagt der Fachbereichsleiter. Denn manch ein Baugebiet ließ sich wegen der mit dem Flugbetrieb verbundenen Siedlungsbeschränkung nicht verwirklichen.

Sven Christiansen schätzt die „Vielseitigkeit im Job“, wie er sagt. Es ist spannend für ihn, Großprojekte – wie zum Beispiel die ICE-Neubaustrecke – inhaltlich mit zu betreuen. Er steuert die Arbeit im Fachbereich, er sitzt im Umwelt- und im Regionalausschuss des Kreistags als Verwaltungsfachmann dabei. Seinen Fachbereich sieht er als wichtige Schnittstelle zur Politik.

Joachim Hammann, verantwortlich für Finanzen

Joachim Hammann

Joachim Hammann, Leiter des Fachbereichs Finanzmanagement,  ist gebürtiger Wolfskehler. Sein Abitur hat er in Gernsheim abgelegt, danach war er bei der Bundeswehr. Seine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt begann er 1980 beim Regierungspräsidium Darmstadt, er schloss sie 1983 ab.

Direkt im Anschluss war er in der allgemeinen Landesverwaltung tätig – und zwar beim Landrat des Kreises Groß-Gerau, der damals Willi Blodt hieß. Zunächst arbeitete Joachim Hammann in der Unteren Waffenbehörde, bei Versicherungsamt und Gewerbeamt. 1988 wechselte er zur Kreisklinik Groß-Gerau. Bis 1992 war er dort für Patientenverwaltung, Abrechnungswesen und Kasse zuständig.

1992 bis 2002 arbeitete Hammann in der Revision, hatte es mit Kassenprüfung und Rechnungsprüfung zu tun. Die darauf folgenden ebenfalls zehn Jahre war der heutige Fachbereichsleiter Verwaltungsleiter im Schul- und Gebäudeservice. Seine damalige Aufgabe beschreibt er so: Bautätigkeiten und Zahlen „in Einklang bringen“.

Seit Januar 2013 leitet Joachim Hammann die Finanzverwaltung. Damals löste er Herta Seiler ab, die die Konzernsteuerung übernahm. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht hier im Landratsamt mit Herta Seiler Kontakt habe“, beschreibt er die enge Zusammenarbeit der beiden Bereiche.

Joachim Hammann, 1960 geboren, ist verheiratet und hat ein Kind. Zur Familie gehören auch zwei Katzen. Sein großes Hobby ist Fußball, auch wenn die aktive Laufbahn mittlerweile vorbei ist. Joachim Hammann hat immer in Wolfskehlen Fußball gespielt, davon elf Jahre in der Landesliga. Heute hat er noch ein Standbein bei den Hobbyfußballern. Auch Skifahren zählt zu den von ihm geschätzten Freizeitbeschäftigungen.

 

Fachbereich Finanzmanagement

Zum Fachbereich Finanzmanagement gehören drei Fachdienste.  Im externen Rechnungswesen geht es um sämtliche Zahlbarmachungen, erläutert Fachbereichsleiter Joachim Hammann. Es ist mit rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der größte Part.  

Der Fachdienst internes Rechnungswesen befasst sich mit allem, was mit dem Haushaltsplan des Kreises Groß-Gerau zu tun hat. Dort geht es um die Planung, den Jahresabschluss und den Gesamtabschluss von Kreis und seinen Beteiligungen. Im Fachdienst Vollstreckung werden sämtliche Forderungen, die bei öffentlichen Trägern entstehen, eingetrieben.

Sein Werdegang in der Kreisverwaltung hilft ihm noch heute bei der Lösung von Problemen, sagt Joachim Hammann. In den verschiedenen Stationen habe er ständig den Horizont erweitert, andere Menschen und deren Sichtweise kennengelernt. „Ich war an allen Stellen, wo die Musik spielt. Davon profitiere ich noch heute“, sagt der „Zahlenmensch“, wie er sich selbst bezeichnet.  Das Netzwerk ist geknüpft, die jeweiligen Fachleute für bestimmte Fragen sind ihm bekannt. Während des Gesprächs mit Joachim Hammann in der heißen Phase der Haushaltserstellung in der Verwaltung und der politischen Haushaltsdebatte zum Jahresende hin wird deutlich, wie erfahren Joachim Hammann ist, welchen Überblick er über die Lage des Kreises und der Kommunen hat, wie er auf die Schnelle bei telefonischen Nachfragen Auskunft geben kann.

Diese Rolle des Informationsgebers haben er und sein Team vom Fachbereich regelmäßig auch in Ausschusssitzungen, in Fraktions- und Koalitionsrunden – speziell, wenn es um den Kreishaushalt geht.  Schließlich werden dann in der Regel  jeweils für ein Jahr die Aufgaben und Leistungen des Kreises abgesteckt, sei es die soziale Sicherung, sei es die Sanierung von Schulgebäuden.

Als Kommune unter dem Schutzschirm des Landes Hessen musste der Landkreis in den vergangenen Jahren noch mehr Vorgaben beachten als ohnehin schon. Mittlerweile ist er auf einem guten Weg, der Etat für 2017 wird ausgeglichen sein. Doch es braucht weiterhin kühle Rechner, denn „ es ist nicht das größte Problem, den Etat auch in den kommenden Jahren auszugleichen“, bewertet Joachim Hammann die Lage. Auch die Vorgabe, keine neuen Schulden aufzunehmen (keine Nettoneuverschuldung), lasse sich erfüllen. Schwieriger werde es, den Abbau von Altschulden zu planen und zu schaffen, weil die Regelung von Landesebene her noch nicht klar ist.

Ein ebenfalls schwieriges Feld sind die Kassenkredite, die fürs laufende Geschäft benötigt werden: Bei einem Ergebnishaushalts-Volumen von rund 360 Millionen Euro im Jahr 2017 werden sie Ende 2017 wohl bei 275 Millionen Euro liegen.  Diese Kassenkredite belasten jeden Etat wieder mit Zinsen. Daher muss das nächste Ziel nach dem Haushaltsausgleich laut Joachim Hammann sein, diese Kredite  möglichst schnell abzubauen. Davon würden alle im Kreis profitieren.

Der Fachbereichsleiter versucht seinen Teil dafür zu leisten, dass der Kreis Groß-Gerau und seine 14 Kommunen als Solidargemeinschaft gut auskommen. Dass niemand sich vom anderen benachteiligt fühlt oder extrem belastet wird. Er wünscht sich allerdings auch das Bewusstsein bei allen, dass es „kein Ihr- und-Wir-Denken“ gibt. Denn Ziel des Kreises sei, zum Beispiel bei den Schulen, dass alle die gleichen Standards haben.  Und „ich will mit meiner Arbeit der Politik die Grundlagen für gute Entscheidungen liefern“, sagt Joachim Hammann.

Robert Hoffmann, führt das Jobcenter

Robert Hoffmann

Nach dem Abitur 1980 in Gernsheim und dem Zivildienst in Ober-Seemen studierte Robert Hoffmann in Frankfurt an der Fachhochschule Sozialarbeit. Das Studium schloss er 1986 mit dem Diplom ab. Sein Jahrespraktikum absolvierte er bei der Groß-Gerauer Kreisjugendpflege, dann wurde er dort Sozialarbeiter – und bekam 1988 die Leitung der Jugendpflege übertragen.

Ab September 1994 arbeitete Hoffmann für sechs Jahre in der IT-Abteilung im Landratsamt. „Das war gut, weil ich auf diese Art fast alle Bereiche der Verwaltung kennen gelernt habe“, erinnert sich Robert Hoffmann, der im Jahr 2000 Sozialamtsleiter in der Kreisverwaltung wurde. Nach den Hartz-IV-Reformen - wichtigstes Element der Sozialreform war die Zusammenlegung der Arbeitslosenhilfe und weiter Teile der Sozialhilfe zum 1. Januar 2005 - übernahm Hoffmann Anfang 2005 die Jobcenterleitung: zunächst in der Arge – in der Arbeitsagentur und Kreis zusammenarbeiteten -, ab 2012, als der Kreis sogenannte Optionskommune wurde, im Kommunalen Jobcenter. Das Jobcenter ist als Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) aufgestellt.

Seit 2005 war Hoffmanns Arbeit „geprägt von ständiger Veränderung“, beschreibt Robert Hoffmann das komplexe, vielschichtige Thema. „Bund, Länder und Kommunen ziehen nicht immer am selben Strang.“ Die permanenten Änderungen der gesetzlichen Grundlagen brächten viel Arbeit mit sich, aber auch Verbesserungen. Der Jobcenterleiter wünscht sich, dass mehr auf die „Stimme der Praxis“ gehört würde. Zum Beispiel auf den Wunsch, „dass wir aus Eingliederungsmitteln für Flüchtlinge auch Sprachförderung bezahlen können“. Auch Hauptschulabschlüsse finanzieren dürfe das Jobcenter nicht; es dürfe nur beraten und auf Anbieter verweisen.

Den Übergang zur AöR bezeichnet Robert Hoffmann als „mit die spannendste Zeit“ in seinem Berufsleben. Alles musste neu gedacht werden, vieles war zu regeln: Organisation, Übernahme von Belegschaft der Bundesagentur für Arbeit, IT (Statistik- und Controllingprogramme), Rechtsgrundlagen, Qualifizierung, Personalentwicklung, Immobilien. Das Jobcenter hat mehrere Servicebüros im Kreis: aktuell in Rüsselsheim, Groß-Gerau, Mörfelden-Walldorf und Biebesheim.

Um abzuschalten vom Jobcenter-Alltag, macht der 1961 geborene Robert Hoffmann mit seinem Bruder Musik („Molly Alone“ und  „Dirty Fingers“) und reist mit seiner Frau Kerstin und den beiden Hunden - am liebsten nach Schottland und Skandinavien.

 

Arbeit im Jobcenter

„Wir sind für die Menschen zuständig, bei denen es die Arbeitsagentur nicht geschafft hat.“ So beschreibt Robert Hoffmann, Leiter des Kommunalen Jobcenters Kreis Groß-Gerau, die berufliche Herausforderung. Seit Januar 2012 werden vom Jobcenter alle Aufgaben der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II) wahrgenommen, also die Entscheidung über Leistungen zur Eingliederung in Arbeit und Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts.

Rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die Kunden. „Ich bewundere die Arbeit unserer Leute, die den direkten Kontakt haben. Was Sachbearbeiter und Arbeitsvermittler für ein Know-how haben, ist enorm. Ein Sachbearbeiter muss in ungefähr 90 Gesetzen sattelfest sein“, sagt Robert Hoffmann. Das Geld an die Leistungsbezieher müsse pünktlich raus, man dürfe keine Fehler machen, stehe sehr in der Öffentlichkeit. Kein Wunder, dass es schwierig ist, qualifizierte Kräfte zu finden – „und es wird immer schwieriger“.  Auch weil das Jobcenter ein Imageproblem habe, die Arbeit nervenaufreibend sein könne.

Eine normale Verwaltungsausbildung reiche nicht aus. „Wir qualifizieren mittlerweile selbst – für den Kreis, für Rüsselsheim und für Riedstadt bilden wir aus“, so Hoffmann: Jeweils drei Monate kommen die Auszubildenden der Verwaltung ins Jobcenter, um ihren Sozialpart zu absolvieren. Möglicherweise wird künftig auch eine komplette Ausbildung im Kommunalen Jobcenter möglich; das werde geprüft. Eine weitere Art, an Fachpersonal zu kommen, ist der rund ein halbes Jahr dauernde Zertifikatslehrgang, der gemeinsam mit der Verwaltungsfachhochschule angeboten werde.

Die 300 Jobcenter-Angestellten haben alle eine Schulung in interkulturellen Kompetenzen absolviert. Zudem sind „Höflichkeit und Respekt im Umgang generell Basis“, betont Robert Hoffmann.

Bei der Vermittlung von Menschen in Arbeit trennt das Jobcenter nach Altersgruppen und nach besonderen Zielgruppen, denn alle haben unterschiedliche Bedarfe. Es gibt die unter 25-Jährigen, die über 50-Jährigen und die Hauptgruppe dazwischen. Alleinerziehende, Schwerbehinderte und junge Leute ohne Qualifizierung sind ebenfalls wichtige Zielgruppen. „Sinn der Sache ist, den Menschen ein dauerhaftes Einkommen zu sichern“, sagt Robert Hoffmann. Möglichst eins, von dem sie selbstständig leben können. Das ist nicht selbstverständlich: Im Herbst 2016 gab es dreieinhalb- bis viertausend Aufstocker im Kreis Groß-Gerau, die zwar arbeiteten, aber von ihrem Gehalt ihren Lebensunterhalt nicht komplett bestreiten konnten. Bei anerkannten Flüchtlingen, die erst nach und nach beim Jobcenter ankommen, werde daher auch Überzeugungsarbeit geleistet, dass nicht das schnelle Geld bei irgendeinem Job langfristig Perspektiven bringt, sondern eine  fundierte Ausbildung/Qualifizierung.

Um etwas für Langzeitarbeitslose zu tun, die länger als ein Jahr ohne Job sind, nimmt das Kommunale Jobcenter am ESF-Bundesprogramm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit teil (ESF: Europäischer Sozialfonds). Dabei fördert der Bund Integrationsmaßnahmen, das Jobcenter beschäftigt Jobakquisiteure, die Arbeitgeber und potenzielle Arbeitnehmer zusammenbringen. Qualifizierte Coaches von freien Trägern betreuen die Kunden bei der Arbeitsaufnahme und unterstützen sie im Lauf der ersten Monate. Innerhalb von eineinhalb Jahren gab es auf diesem Weg 80 Integrationen, bilanziert Robert Hoffmann. Das ESF-Programm ist auf 32 Monate begrenzt.

Ein neues Projekt ist das zentrale Callcenter, das das Kommunale Jobcenter plant und mit eigenen Leuten besetzen will. Ziel ist, die telefonische Erreichbarkeit zu verbessern. 

Ute Imig-Wittekind, Fan von lebenslangem Lernen

Ute Imig-Wittekind

Ute Imig-Wittekind, Leiterin des Fachbereichs Bildung und Schule in der Kreisverwaltung Groß-Gerau, hat von 1984 bis 1989 in Marburg Pädagogik und Psychologie studiert. In dieser Zeit nahm sie auch an einem Ausbildungsseminar für Betreuer im Feriendorf des Kreises in Ober-Seemen teil; später leitete sie ihrerseits Ausbildungsseminare für Jugendbetreuer. Sie jobbte während des Studiums bei „Arbeit und Leben“ in Marburg und als Honorarkraft bei der Kreisjugendförderung im Jugendbildungswerk des Kreises.

Nach ihrem Examen – die Diplomarbeit behandelte das Thema sexuelle Gewalt und Ausbeutung an Kindern und Jugendlichen - arbeitete Ute Imig-Wittekind zwei Jahre bei der Stadt Rüsselsheim in einem Jugendzentrum. Ab 1990 folgte ihre pädagogische Mitarbeit bei der Kreisjugendförderung. 1994 wurde Imig-Wittekind, die aus Büttelborn stammt, Kreisjugendpflegerin. Sie war die erste Frau in dieser Position, erinnert sie sich, und „mit viel Herzblut“ bei der Sache. „Im Feriendorf Ober-Seemen kannte ich jeden Stock und Stein.“ Und im Schloss Dornberg fanden damals noch internationale Jugendbegegnungen statt.

Als Robert Hoffmann, Vorgänger von Ute Imig-Wittekind als Kreisjugendpfleger und ihr Weggefährte in der Jugendarbeit, im Jahr 2000 Leiter des Kreissozialamts wurde, wechselte sie ebenfalls ins Sozialamt.  Von dort ging es für Ute Imig-Wittekind, die die Abwechslung und neue berufliche Herausforderungen liebt, in den Stab Organisation und Personalentwicklung bei Landrat Enno Siehr. Damals sei erstmals in der Kreisverwaltung die Führungskräfteentwicklung in den Fokus gerückt, auch für die zweite und dritte Führungsebene. Auch als die Hauptverwaltung und damit der Stab aufgelöst wurden, war sie bis Oktober 2015 weiter für die Führungskräfteentwicklung, für Gesundheitsförderung und für eine familienbewusste Verwaltung zuständig. Bei diesen Aufgaben kam ihr zugute, dass sie sich berufsbegleitend fortgebildet hatte zu Trainerin und Coach sowie zur Gestalttherapeutin. Sie leitete unter anderem Teambildungs-, Zielvereinbarungsseminare sowie Kollegiale Coaching-Gruppen im Landratsamt.

Seit Herbst 2015, nach der Organisationsreform im Landratsamt, führt Ute Imig-Wittekind den Fachbereich Bildung und Schule. Landrat Thomas Will hatte sie angesprochen, ob sie diese Aufgabe übernehmen will. Als „Fan von lebenslangem Lernen“ hat sie zugesagt, den neuen Bereich zu übernehmen.

Ute Imig-Wittekind ist 1964 geboren. Sie ist Mutter eines Kindes, wohnte heute in Flörsheim. Zu ihren Hobbys zählen Motorradfahren, der Besuch von Rockfestivals und „in der Natur sein“.

 

Fachbereich Bildung und Schule

„Ich finde, Menschen sind das Spannendste, was es gibt. Es interessiert mich nichts so sehr wie Menschen.“ Das sagt Ute Imig-Wittekind, Fachbereichsleiterin Bildung und Schule im Groß-Gerauer Landratsamt. Zu ihrer Kontaktfreudigkeit und ihrem Interesse passt es, dass sie einen der großen Fachbereiche in der Kreisverwaltung zu führen hat. Er entstand 2015, als die Bereiche Jugend und Schule sowie Schul- und Gebäudeservice aufgeteilt wurden -  in Jugend und Familie, Gebäudemanagement und eben in Bildung und Schule: Rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören dazu. „Die meisten arbeiten dezentral“, so die Fachbereichsleiterin, nur 15 von ihnen sitzen direkt in der Kreisverwaltung. Zu den Beschäftigten draußen im Kreis zählen zum Beispiel Schulsekretärinnen, Ganztagsschulkräfte und Schulsozialarbeiter/-innen.

Der Fachbereich hat drei Fachdienste. Zum einen die Schulverwaltung: In dieser Abteilung geht es zum Beispiel um Schülerbeförderung, Gastschulbeiträge und die bedarfsgerechte personelle Ausstattung an den Schulsekretariaten.

Zweitens der Fachdienst Netzwerk Schulgemeinde/Schulsozialarbeit. Im Kreis Groß-Gerau wurde 2001 mit dem flächendeckenden Ausbau der Schulsozialarbeit begonnen. „Die Schulsozialarbeit ist im Kinder- und Jugendhilfegesetz begründet. Sie ist die Bindestelle in die Jugendhilfe“, sagt Ute Imig-Wittekind. Beratung gibt es klassenweise genauso wie in Einzelfällen. Wesentliches Thema der  Schulsozialarbeit an den Beruflichen Schulen ist der Übergang Schule – Beruf.

Der Kreis Groß-Gerau ist in dieser Hinsicht klug aufgestellt, betont die Fachbereichsleiterin, denn die präventive Schulsozialarbeit und ihre niederschwelligen Angebote entlasten letztlich das Jugendamt. Probleme werden frühzeitig erkannt und ein Scheitern junger Menschen, das sich negativ auf den weiteren Lebensweg auswirkt, lässt sich besser verhindern. Der Fachdienst steht zum Beispiel in engem Kontakt zum Allgemeinen Sozialen Dienst der Verwaltung, zu Betreuern unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge und zu Erziehungsberatungsstellen.

Dritter Fachdienst ist „ Regionale Bildungsplanung, Ganztagsschule und Jugendberufshilfe“. Mit dem Ausbau von Ganztagsschulen geht die Erwartung einher, langfristig eine kindgerechte Schule zu entwickeln, formuliert es Ute Imig-Wittekind. Dabei stehen Spannung und Entspannung, eigenständiges Lernen und angeleiteter Unterricht, Kultur, Sport und Soziales in einem anregenden Mischungsverhältnis.

Auch bei der Jugendberufshilfe steht der Übergang Schule – Beruf im Blickpunkt. Der Kreis beteiligt sich in diesem Zusammenhang an der OloV-Strategie des Landes, wobei OloV für „Optimierung lokaler Vermittlungsaktivitäten“ steht. Diese sieht vor, dass Akteure im Übergang von der Schule in den Beruf ihre Ziele und Aktivitäten untereinander abstimmen.

Insgesamt geht es im Fachbereich darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Schule im Kreis Groß-Gerau kind-, jugend- und familiengerechter wird und dass alle Schülerinnen und Schüler einen Abschluss und den Übergang in den Beruf erreichen.

Heinrich Krobbach, Mann mit Bildungsauftrag

Heinrich Krobbach

Heinrich Krobbachs erste Begegnung mit der Volkshochschule ist im Bild festgehalten: 1967, im Alter von 13 war er Teilnehmer eines Fotokurses. Bis zu seinem Einstieg als Volkshochschulleiter im  Kreis Groß-Gerau im März 1988 dauerte es dann noch ein bisschen. Dazwischen lagen folgende Stationen: Abitur 1975 in Darmstadt, zwei Jahre Landesgeschäftsführer der hessischen Schülervertretung, Studium der Fächer Sozialkunde und Deutsch für das Lehramt am Gymnasium, das er 1987 mit dem Zweiten Staatsexamen abschloss. „Zwischendurch habe ich ein paar Semester an der Startbahn West verbracht“, erinnert er sich an die frühen achtziger Jahre zurück, als die Zeit des Studierens für viele auch noch Welt-Erfahrung bedeutete.

1988 hatte die Kreisvolkshochschule (KVHS) sechs Hauptstellen: Groß-Gerau, Riedstadt/Stockstadt, Mörfelden-Walldorf, Raunheim, Kelsterbach, Mainspitze. Dazu kamen die direkt über den Kreis finanzierten Außenstellen in Nauheim, Trebur, Büttelborn und Biebesheim. In Gernsheim gab es eine ehrenamtlich geführte Volkshochschule.

Bereits 1988 wurde der Fachbereich EDV der Volkshochschule geschaffen, erinnert sich Krobbach. „Wir waren damals das größte Qualifizierungs- und Beschäftigungssicherungsprogramm in Deutschland“, sagt der KVHS-Leiter. Es habe einen riesigen Nachholbedarf bei der Arbeit mit Computern gegeben.

Die Zentralisierung der Kreisvolkshochschule beschäftigte die Politik und die Mitarbeiter danach über einige Jahre. Nicht jeder war von einer örtlichen Bündelung begeistert, manche fürchteten eine Abwendung von der Kundschaft. Die nervenaufreibende Phase mündete Mitte der Neunziger in einen Kompromiss: Zum 1. Januar 1996 wurde der Eigenbetrieb Kreisvolkshochschule Groß-Gerau gegründet; anfangs blieben Riedstadt, Gernsheim und Mörfelden-Walldorf dabei noch außen vor. 2003 folgte eine Veränderung bei der Kostenübernahme: Die KVHS wurde komplett vom Kreis finanziert. 2006 schließlich fand die Einrichtung  ihren Platz zentral in Schloss Dornberg.

Das bedeutet indes nicht, dass es keine Angebote in den Kommunen mehr gibt, betont Heinrich Krobbach. Die Kreisvolkshochschule unterhält mehrere Bildungszentren, die  jüngsten im Groß-Gerauer Wasserweg und in der Riedstädter Stahlbaustraße. Insgesamt hat sie rund 40 Unterrichtsräume. „Wir sind zukunftsfähig aufgestellt“, sagt der Volkshochschulleiter.

Der Erfelder Heinrich Krobbach ist 1954 geboren. Zu seinen Vorlieben zählt er Literatur, und dabei besonders Krimis. Ein Besuch der Frankfurter Buchmesse ist jedes Jahr ein Muss: allein schon, um sich dort Anregungen für die Krimireihe der Kreis-VHS zu holen.

 

Aufgaben und Schwerpunkte der Kreis-VHS

„Unsere Angebote zielen auf Persönlichkeitsentwicklung durch Bildung und Lernen. Wir achten auf aktuelle fachliche und erwachsenen-pädagogische Standards, qualifizierte Kursleiter/innen, angemessene Raum- und Sachausstattung und den Veranstaltungserfolg.“ Auch die Weiterbildungsberatung zählt zu den Bausteinen der Volkshochschularbeit. So steht es im Leitbild der Kreisvolkshochschule (KVHS) Groß-Gerau, das zum Beispiel im Internet nachzulesen ist.

„Wir haben ja einen Auftrag. Daran muss man immer wieder erinnern“, sagt Kreisvolkshochschulleiter Heinrich Krobbach. Die Volkshochschularbeit sei eine Pflichtleistung nach dem Weiterbildungsgesetz. Geliefert wird ein nach Fachbereichen gegliedertes Bildungsangebot - ob politische oder kulturelle Bildung, Bildungsreisen oder Förderung des Ehrenamts, Sprachkurse, Gesundheitsförderung oder berufliche Weiterbildung.

Für all ihre Aufgaben erhält die Volkshochschule aktuell eine Million Euro im Jahr vom Kreis. Davon werden allein rund 600000 Euro für Mieten und Nebenkosten gebraucht, erläutert Heinrich Krobbach: „Unser dezentrales Angebot in den Kommunen kostet Geld“, sagt er dazu. Aber es sei wichtig für die KVHS, in allen Städten und Gemeinden präsent zu sein.

Durch die Zuwanderung in den Kreis boomen die Sprach- und Alphabetisierungskurse, aber auch Angebote zur Gesundheitsbildung gibt es reichlich. Gemeinsam mit Partnern und Auftraggebern wie Jobcenter, Bundesagentur für Arbeit oder Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden Projekte auf die Beine gestellt. Beispiel: „Gesundheitsförderliches Alltagsleben“ mit Informationen zu Gesundheit, Bewegung und Ernährung. Beim Projekt „Begegnung vieler Welten“ werden Jugendliche qualifiziert, die sich mittels verschiedener Medien mit dem Thema Zuwanderung befassen. Ein anderes, dreijähriges Projekt der politischen Bildung mit dem Titel „Demokratie erleben“ befasst sich mit der Ausbildung von Multiplikatoren zum Thema Demokratieförderung.

Ziel der KVHS ist es, die Balance zwischen ihren verschiedenen Angeboten zu halten, auch wenn und gerade weil derzeit mehr als die Hälfte der hauptamtlich bei der Volkshochschule Beschäftigten im Fachbereich Sprachen arbeitet. Neu aufstellen muss sich der Fachbereich Berufliche Bildung und digitale Medien, wie er seit Mitte 2016 heißt (vorher: EDV und Berufliche Bildung), sagt Heinrich Krobbach. „Mobile Geräte, Clouds, soziale Netzwerke: All das ist hochspannend. Wir müssen uns fragen: Was kann Volkshochschule zu dieser Entwicklung beitragen? Ziehen da noch die traditionellen Kurse? Wie gehen wir mit der Konkurrenz Internet um?“, beschreibt er Fragestellungen und Aufgaben der nahen Zukunft. Auch der Fachbereich Gesundheit habe neue Mitbewerber bekommen, etwa durch private Anbieter und Fitnessstudios von Vereinen. Wobei die Nachfrage so hoch sei, dass keiner dem anderen etwas wegnehme.

Bange ist Heinrich Krobbach aber nicht, dass der Volkshochschule die Ideen ausgehen oder dass sie von Entwicklungen abgehängt wird. Was etwa das Internet angeht, so ist natürlich auch das gesamte Programm der KVHS dort, auf www.kvhsgg.de, immer aktuell zu finden. 

Hans-Joachim Oschinski, wirkt an zentraler Stelle

Hans Joachim Oschinski

Hans-Joachim Oschinski leitet den Fachbereich Zentralabteilung im Landratsamt Groß-Gerau. Dort gehören Gefahrenabwehr und Rechtsamt zu seinen Aufgabengebieten.

In den siebziger Jahren studierte Oschinski Jura in Gießen. Nach dem Zweiten Staatsexamen war er noch drei Jahre Assistent an der Universität. Danach war Hans-Joachim Oschinski für rund ein Jahr als Rechtsanwalt in Darmstadt tätig.
Im Anschluss wechselte er zum Regierungspräsidium Darmstadt. Dort war er zu Zeiten der Regierungspräsidenten (RP) Hartmut Wierscher und Walter Link als Dezernent zunächst mit dem Wasserrecht betraut, dann wurde er persönlicher Referent des RP. In diesen Funktionen war Hans-Joachim Oschinski sechs Jahre im Regierungspräsidium tätig. Darauf folgten zwei Jahre bei der Kommunalaufsicht.

Der Wechsel in die Kreisverwaltung Groß-Gerau vollzog sich im Jahr 1989, als Oschinski Leiter des Rechtsamts wurde. Zwei Jahre später übernahm er das Dezernat Allgemeine Verwaltung, den Vorläufer der heutigen Zentralabteilung. Zu den Aufgabengebieten zählten Rechtsamt und anfangs Naturschutz; auch die EDV war als Bereich lange Zeit dabei. Dazu kamen später noch die Gefahrenabwehr und die Riedwerke Kreis Groß-Gerau, deren Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Oschinski seit Ende Juni 2006 ist. Seit 2003 war er bei den Riedwerken bereits ehrenamtliches Vorstandsmitglied und von Anfang an ständiger Gast im Riedwerke-Vorstand. Nach der Umstrukturierung der Riedwerke zur Holding blieben dort Finanz- und inhaltliches Controlling übrig. Hans-Joachim Oschinski teilt seine Stelle hälftig für die Fachbereichsleitung und für die Riedwerke.

Der 1954 Geborene ist verheiratet und wohnt in Höchst im Odenwald. Die lange Fahrstrecke nach Groß-Gerau stört ihn nicht, sagt er. Er nutzt die Zeit, um sich gedanklich auf die Arbeit respektive auf die Freizeit einzustellen. Im Auto liegen immer Zettel und Kuli, um rasch Ideen notieren zu können. Die freie Zeit ist mit Hunden gefüllt: Hans-Joachim Oschinski und seine Frau züchten Windhunde der Rasse Whippet.

 

Aufgaben der Zentralabteilung

Gefahrenabwehr und Rechtsamt sind die beiden Felder, die der Fachbereichsleiter Zentralabteilung, Hans-Joachim Oschinski zu beackern hat. „Die Gefahrenabwehr, früher Katastrophenschutz, ist von Flexibilität und Überraschungen geprägt“, sagt der erfahrene Verwaltungsmann. Das beste Beispiel ist der Aufbau von drei großen Flüchtlingsunterkünften seit Herbst 2015 in Biebesheim, Goddelau und Groß-Gerau, die mittlerweile wieder aufgelöst sind. „Einmal mussten wir im Auftrag des Landes eine Unterkunft  für 500 Leute innerhalb von 24 Stunden aufbauen – wir haben 26 gebraucht“, sagt Oschinski, dem im Gespräch anzuhören ist, welch schier unglaubliche Leistung das in jedem Fall war.

„Biebesheim und Goddelau wurden anfangs  auch mit Kräften des Katastrophenschutzes  betrieben“, erinnert sich Hans-Joachim Oschinski: Strom, Essen, Helferverpflegung, Sanitäranlagen – an so vieles muss gedacht werden. Dann sei die Verwaltung eingebunden, das Ganze auf professionelle Füße gestellt worden. Denn: „Ehrenamtliche können das nicht wochenlang leisten.“ Die Anforderungen an sie seien grenzwertig gewesen. In diesem Zusammenhang lobt Hans-Joachim Oschinski auch die Privatfirmen, die mit dem Kreis kooperiert hätten: „Was die gestemmt haben, das war nicht normal!“

Zur Gefahrenabwehr mithilfe von Feuerwehren und Rettungsdienst gehören selbstverständlich auch Großeinsätze bei Bränden, Verkehrsunfällen oder beim Hochwasserschutz. Da trägt der Fachbereichsleiter einige Erinnerungen mit sich: an den Brand im Groß-Gerauer Südzuckersilo zum Beispiel, „der uns damals wochenlang beschäftigt hat“. Oder an „einige hohe Wässer“ und Unfälle auf der Autobahn, wo einmal kurzerhand verfügt wurde, die A3 zu sperren, weil Gefahrgut ausgelaufen war und Schlimmeres verhütet werden musste. Wenn es brenzlig wird, erhält Hans-Joachim Oschinski auf jeden Fall Infos per SMS auf sein Handy. Falls nötig, macht er sich sofort auf zum Einsatzort.

Das Rechtsamt  bearbeitet alle Prozesse des Kreises Groß-Gerau und des Kommunalen Jobcenters, erläutert Hans-Joachim Oschinski. Auch die Veränderungen in der Kreisklinik begleitet das Amt.
Bei der Größe des Kreises sei ein Rechtsamt sinnvoller als der Einsatz von Amtsjuristen innerhalb der Fachbereiche. Innerhalb des Teams gebe es allerdings Spezialisten zum Beispiel für Vergaberecht, Baurecht oder Arbeitsrecht. Dem Rechtsamt angegliedert ist die Submissionsstelle des Kreises Groß-Gerau. Sie ist für die formalisierten Ausschreibungen des Kreises im Rahmen des Vergabeverfahrens zuständig.

Das Rechtsamt darf keine allgemeine Rechtsberatung für Außenstehende und Bürger des Landkreises anbieten.

Regina Plettrichs, Cheforganisatorin

Regina Plettrichs

Seit 1977 gehört Regina Plettrichs – seit dem Jahr 2015 Fachbereichsleiterin Politische Steuerung - der Kreisverwaltung Groß-Gerau an. Sie begann damals ihre Ausbildung als Stenosekretärin. Ab 1979 war sie bei Jugendpflege und Jugendbildungswerk tätig. Neben ihrer Arbeit absolvierte sie von 1984 bis 1986 den sogenannten Einserlehrgang für Sekretärinnen am Verwaltungsseminar in Darmstadt. Nach dessen Abschluss war sie Assistentin im Mittleren Dienst im Kreisfrauenbüro. 1988 folgten der Zweierlehrgang an der Verwaltungsfachhochschule in Darmstadt und die dafür nötige Verbeamtung. Bis 1991 absolvierte Regina Plettrichs die Vollzeitschule, dann war sie Diplom-Verwaltungsfachwirtin. Die Praxisphasen während der Ausbildung verbrachte sie in der Kreisjugendpflege und im Sozialdezernat beim damaligen Sozialdezernenten Herbert Tragesser.

Nach dem Diplom war sie von 1991 bis Ende 1992 in der Personalstelle. Dann wechselte die heutige Fachbereichsleiterin ins Vorzimmer von Landrat Enno Siehr, wurde bald darauf mit dem Sitzungsmanagement von Kreistag und Kreisausschuss beauftragt – was sie bis heute innehat.

Dazu kamen Sonderaufgaben: anfangs die Stabsstelle Büro Landrat, dann, ebenfalls in den neunziger Jahren,  das neu geschaffene Integrationsbüro.  Als nach dem Jahr 2010 noch die Personalentwicklung zu den Aufgaben hinzukam, entstand schließlich die Stabsstelle Büro Landrat, Steuerung und Integration. Regina Plettrichs war seit  2004 Stabsstellenleiterin.

Eine weitere Umorganisation, die auf Erkenntnissen des Gutachtens der Firma Rödl & Partner zur geplanten Haushaltssanierung fußte, brachte das Zusammenlegen von Fachdiensten mit sich sowie die Gründung neuer Abteilungen wie der Konzernsteuerung. So wurden 2015 zum Beispiel die Fachdienste Integration und Frauenbüro im Fachbereich Politische Steuerung eng verzahnt. Eine personelle Veränderung in der Kreispressestelle führte dazu, dass auch noch der Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit unter Regina Plettrichs`  Zuständigkeit fällt. Das Thema Aus- und Fortbildung gehört ebenfalls zu ihren Aufgabebereichen.

Regina Plettrichs ist 1960 geboren und lebt in Riedstadt. Ihre Hobbys sind Politik, Kino und Lesen.

 

Aufgaben in der Politischen Steuerung

Immer mehr Leitungsaufgaben hat Fachbereichsleiterin Regina Plettrichs im Lauf der Jahre dazubekommen. Das bringt mit sich, dass die Arbeit „sehr aufwendig geworden“ ist: Denn auf die ursprünglich „eigentliche“ Arbeit, das Kreistagsbüro in Fahrt zu halten, kommen jetzt noch die Leitungsfunktionen im 2015 gegründeten Fachbereich Politische Steuerung obendrauf. Dessen mannigfaltigen Fachdienste sind: Personalentwicklung und Aus- und Fortbildung, Frauen- und Chancengleichheit, Integration, Öffentlichkeitsarbeit sowie Kultur, Sport und Ehrenamt – und eben das Kreistagsbüro. Dazu gehört außerdem der Europabeauftragte der Kreisverwaltung.

Regina Plettrichs ist auch nach vielen Jahren in der Kreisverwaltung hoch motiviert, wie sie im Gespräch betont. Und sie weiß, dass ihre Abteilung gut organisiert ist. Eine Hilfe dabei ist zum Beispiel das Rats- und Bürgerinformationssystem, das seit 2004 auch online steht und das viele Kopierarbeiten überflüssig gemacht hat. „Mittlerweile wird es gut genutzt“, sagt Plettrichs. Alle Sitzungen, zum Beispiel auch die von Kommissionen, werden darüber erledigt. Es finden sich dort Termine und Unterlagen. Nicht nur der Kreis arbeitet mit diesem System. Auch die Kommunen Riedstadt, Nauheim, Ginsheim-Gustavsburg und Mörfelden-Walldorf haben seine Vorteile erkannt.

Die Anpassung an neue Gegebenheiten, Strukturen und Techniken -  sprich Flexibilität - gehört zu den Fähigkeiten, die Regina Plettrichs und ihr Team beweisen müssen. Die größere Verantwortung und steigender Arbeitsdruck sind zu spüren, sagt sie. Darum müsse sie bei der wachsenden Aufgabenfülle - wegen der zusätzlichen Aufgaben soll  es für Sekretariat und Kreistagsbüro zwei neue Stellen geben - immer auch die Fürsorgepflicht gegenüber ihren rund 20  Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Blick haben.

Umgekehrt lässt Regina Plettrichs ihren Teams, so wie sie es selbst unter den drei Landräten Willi Blodt, Enno Siehr und Thomas Will erfahren hat, Raum für selbständiges Arbeiten. „Ich bin immer gut informiert, bin da, wenn es Probleme gibt.“ In den Arbeitsalltag aber muss sie nicht hineinregieren.

Sie hat ja auch selbst noch ein paar Zusatzaufgaben zu erledigen. So leitet sie vier Mal im Jahr die Fachbereichsrunde, hat regelmäßige Gespräche mit ihren Fachdienstleiter/innen und ist zuständig für die Organisation der Treffen der Führungskräfte auf der höchsten Leitungsebene.

Nicht zu vergessen der Hessentag 2017 in Rüsselsheim, zu dem auch der Landkreis seinen Teil beitragen will. Zur Vorbereitung gibt es eine Steuerungsgruppe, geleitet von  -  Regina Plettrichs.

Thomas Schmitt, Mann für Sonderaufgaben

Thomas Schmitt

Der Europabeauftragte und Breitbandkoordinator Thomas Schmitt ist gelernter Zimmermann und hat Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Darmstadt studiert. 1992 kam er in die Kreisverwaltung Groß-Gerau. Dort arbeitete er bis 1998 in der Bauaufsicht und übernahm auch Sonderaufgaben -  unter anderem die Einführung einer EDV. Das Programm OTS Bau ist noch heute im Einsatz.

Ab 1998 wurde Thomas Schmitt in der Bauverwaltung mit der Einführung eines geografischen Informationssystems (GIS) betraut. Nächste Station in der Verwaltung war ab 2001 die Stabsstelle Büro Erster Kreisbeigeordneter, wo Schmitt mit Controlling, Sitzungsvorbereitung/-dokumentation und GIS-Steuerung beschäftigt war. Von 2006 bis 2011 folgte die Arbeit in der Zentralabteilung (unter anderem Anbindung des Gefahrenabwehrzentrums ans GIS, Finanzmanagement: strategisches und zentrales Controlling).

In den darauffolgenden zwei Jahren 2011 und 2012 bekam Thomas Schmitt den Auftrag, ein Energiekompetenzcenter für den Kreis Groß-Gerau aufzubauen. Die drei Infrastruktur-Themen dabei waren alternative Energien, Geoinformationswesen und Breitband. So lag es nahe, dass er 2013 und 2014 in der Breitbandgesellschaft des Kreises tätig wurde. Sie war gegründet worden, weil zunächst kein Privater den Ausbau des Breitbandnetzes  angehen wollte. Als die Kreis-Gesellschaft gegründet war, überlegte es sich die Telekom doch anders und wurde in einigen Kommunen aktiv. Daraufhin war klar: Die Breitbandgesellschaft wird wieder abgewickelt, was bis Ende 2017 geschehen sein soll. Trotzdem blieb Thomas Schmitt Breitbandkoordinator des Kreises. Das Thema begleitet ihn nach 2014 auch deshalb weiter, weil der Kreis das Versorgungsziel schnelles Internet besonders für bildungs- und sicherheitsrelevante Einrichtungen wie Schulen, Feuerwehr, Polizei, Krankenhäuser im Blick hat und sich um Fördermittel von Bund und Land bemüht.

Parallel zu dieser Arbeit entwickelte Schmitt ein Konzept für Europaangelegenheiten. Im März 2016 wurde er durch den Kreisausschuss zum Europabeauftragten des Kreises bestellt. Seine vorgesehenen Hauptaufgaben: Akquirieren von Fördermitteln und die Information der kommunalen Ebene über die Auswirkung von EU-Recht.

Thomas Schmitt wurde 1963 geboren. Er lebt in Weiterstadt, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

Schwerpunkt Europa

Im März 2016 war es soweit: Thomas Schmitt wurde vom Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau zum Europabeauftragten bestellt. Hintergrund dieser Entscheidung war die Erkenntnis, dass die Europäische Union ein „zunehmend bestimmender Faktor für die kommunalen Gebietskörperschaften“ ist, wie Schmitt die Ausgangslage beschreibt. Entscheidende Rahmenbedingungen für die kommunale Selbstverwaltung werden verstärkt in Brüssel geschaffen. Und 80 Prozent aller Entscheidungen der europäischen Institutionen sind auf kommunaler Ebene zu beachten und umzusetzen. Fast alle Verwaltungsbereiche sind betroffen.

Zu den Aufgaben Schmitts zählen die Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Kontakt zu bestehenden Einrichtungen, wie etwa dem Europabüro der Metropolregion FrankfurtRheinMain oder die Europa Direct-Zentren, sei hilfreich und bringe Unterstützung bei den teilweise sehr komplexen Themen. Finanziell ist der Kreis mit 6000 Euro pro Jahr am Europabüro der Metropolregion beteiligt, das eine Dependance in Brüssel hat. „Darüber lassen sich kreisspezifische Themen einbringen“, sagt Thomas Schmitt. Darüber hinaus erscheinen ihm regionale Netzwerke erstrebenswert: mit den Nachbarkreisen und auf der Ebene des Hessischen Landkreistags.

Schmitt – der in unmittelbarem Auftrag des Landrats handelt und organisatorisch dem Fachbereich Politische Steuerung angegliedert ist - möchte dafür sensibilisieren, „dass wir Informationen zu kommunal relevanten Beschlüssen frühzeitig erhalten“. Auch will er Strategien zur nachhaltigen Verbreitung des europäischen Gedankens vermitteln. Es geht darum, Europafreundlichkeit im Kreis zu fördern. Eine Möglichkeit dazu gibt es jeweils am Europatag im Frühjahr: Nach dem Erfolg mit dem „Marktplatz der Vielfalt“ am 9. Mai 2016 soll dieses neue Veranstaltungsformat fortgesetzt werden. Der Europatag 2016 im Kreis Groß-Gerau wurde  von der Hessischen Staatskanzlei gefördert.

Ebenfalls im Blick hat Thomas Schmitt die Auswirkung von EU-Recht auf die Kreisebene. „Über kommunale Spitzenverbände wollen wir schon im Vorfeld von Gesetzgebungsverfahren unsere Interessen mit einbringen“, sagt der Europabeauftragte des Kreises. Es gehe darum, Anregungen und Bedenken  zu äußern, sich zu wappnen.  Der Europabeauftragte soll die Fachbereiche über (geplante) EU-Regelungen mit Auswirkung auf die kommunale Ebene informieren und mit den betroffenen Fachbereichen die Teilnahme an öffentlichen Konsultationsverfahren koordinieren.

Weiteres wichtiges Thema ist die Akquise von Fördermitteln. „Da sind unsere Fachabteilungen schon gut aufgestellt“, sagt Thomas Schmitt. Weil es für Pflichtaufgaben keine Fördergelder aus Europa gibt und der Kreis für freiwillige Leistungen kaum Geld hat, müsse man schauen, wo Akquise noch sinnvoll ist. Das könnte „in erster Linie im Hinblick auf Breitbandförderung“ sein. Da passt es, dass auch dieses Thema  zu Schmitts Arbeitsbereich gehört.
Auch aus dem Europäischen Sozialfonds ließen sich Mittel generieren.

Vieles ist noch neu für den Europabeauftragten. Aber das ist ihm gerade recht: „Ich mache das gern –Struktur reinbringen, Daten und Infos sammeln und bewerten“, sagt Thomas Schmitt.

Herta Seiler, Fachbereichsleiterin mit Faible für Zahlen

Herta Seiler

Der Fachbereich Konzernsteuerung existiert in der Kreisverwaltung seit 2013.  Ihm steht Herta Seiler vor, die 40 Jahre zuvor, im Alter von 16 Jahren, ihre Ausbildung als Verwaltungsangestellte beim Kreis Groß-Gerau begonnen hatte. Zwei Jahre später, 1975,  folgte bereits als Inspektorenanwärterin ihre Ausbildung zum Gehobenen Dienst. An deren Ende nach drei Jahren war Herta Seiler im Alter von 21 eine sehr junge Inspektorin. „Das gab`s auch nicht so oft“, erinnert sie sich nicht ohne Stolz.

Nach der Ausbildung arbeitete Seiler zwei Jahre im Ausgleichsamt, danach im Jugendamt, wo sie sechs Jahre tätig war und ihr die abwechslungsreiche Arbeit viel Spaß machte. Im Jahr 1986 übernahm Herta Seiler die stellvertretende Amtsleitung im Sozialamt. Als der damalige Amtsleiter sehr bald krank wurde, übernahm sie dessen Aufgaben und wurde schließlich 1988 Leiterin des Kreissozialamts, die sie bis 1999 blieb.

In diese Zeit fiel die „erste Flüchtlingswelle“, sagt Herta Seiler. Auch damals gab es schon Asylbewerber aus aller Herren Länder, etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien, aber auch aus Sri Lanka oder Eritrea und Afghanistan. Vorher, im Herbst 1989 kamen Flüchtlinge aus der DDR, nachdem Ungarn Anfang September seine Grenzen geöffnet hatte, etwas später noch  jüdische Emigranten und Spätaussiedler aus Russland und Polen. Auch damals schon sei man auf der Suche nach Unterkünften im gesamten Kreisgebiet gewesen, die sich für den Übergang zum Beispiel in Schloss Dornberg und der ehemaligen Autobahnraststätte Büttelborn fanden.

Ende 1999 wechselte Herta Seiler zum Rechnungsprüfungsamt, wo sie die Amtsleitung übernahm – und nochmal die Schulbank drückte. Denn es galt die Doppik, die kaufmännische Buchführung, zu lernen und in die Verwaltung einzuführen. Bis Ende 2008 arbeitete Seiler im Rechnungsprüfungsamt. Fit in Sachen Doppik wurde sie als Leiterin der Kreiskämmerei, die sie bis Ende 2012 blieb.

Just in  diese Zeit fiel die Untersuchung der Firma Rödl & Partner zur Erarbeitung eines Haushaltssicherungskonzepts für die Kreisverwaltung. Alle Fachbereiche im Haus wurden untersucht, so Herta Seiler: „Jeder Fachbereich war für sich sehr gut aufgestellt. Aber es gab keine Stelle im Haus, die den Gesamtüberblick über alle Aktivitäten des Kreises gehabt hätte.“ So wuchs die allgemeine Erkenntnis: „Wir brauchen eine zentrale Steuerung im Haus, in der unter anderem das  Beteiligungsmanagement ausgebaut werden soll.“ Dass ein Beteiligungsmanagement notwendig sei, habe sie schon während ihrer Zeit im Rechnungsprüfungsamt gesehen. So war es ein logischer Schritt, dass Herta Seiler 2013 die Leitung des Fachbereichs Konzernsteuerung angetragen bekam. Einige Zeit vorher war im Nachbarkreis Darmstadt-Dieburg die Konzernsteuerung installiert worden, wo sich Landrat Thomas Will und Seiler zuvor über die  dort bereits vorhandene Konstruktion informiert hatten.

Herta Seiler wird im Juni 2017 60 Jahre alt. Dann will sie in den Ruhestand gehen. Dann hat sie Zeit, mit ihrem Mann ihren Hobbys Reisen und Fahrradfahren (E-Bike) zu frönen. Herta Seiler ist viele Jahre ehrenamtliche Richterin beim Sozialgericht in Darmstadt gewesen, mittlerweile übt sie dieses Ehrenamt am Landessozialgericht aus.

 

Einige Aufgaben der Konzernsteuerung

Zu den Aufgaben der Konzernsteuerung im Landratsamt gehören Beteiligungsmanagement, Controlling und Liquiditätsmanagement. Seit August 2015 ist die Konzernsteuerung auch für den Fachdienst Personalmanagement zuständig.

Aufgabe des Beteiligungsmanagements ist unter anderem, den jährlichen Beteiligungsbericht zu erstellen – einen Bericht zu den Gesellschaftsbeteiligungen des Kreises in den Bereichen Gesundheit, Bildung und berufliche Bildung, Beschäftigungsförderung, Existenzgründungsunterstützung, Ver- und Entsorgung, Verkehr, Infrastruktur, Jugend und Soziales. Zu den Gesellschaften und Einrichtungen gehören die Kreisklinik GmbH, der Zweckverband Riedwerke, das Kommunale Jobcenter (Anstalt des öffentlichen Rechts), der Eigenbetrieb Kreisvolkshochschule und das Technologie-, Innovations- und Gründer/innen-Zentrum sowie der Eigenbetrieb Rettungsdienst.

Beim Controlling geht es darum, monatlich Berichte für die Fachbereiche zu erstellen sowie einen Bericht zur Mitte des Jahres, um den Überblick über Erträge und Aufwendungen zu behalten und die jeweils aktuellen Zahlen mit den Haushaltsplänen abgleichen zu können. Etwaige Abweichungen werden mit den Fachbereichen und erläutert, sagt Herta Seiler, und nötige Reaktionen – etwa auf Budgetüberschreitungen -  gemeinsam besprochen.

Der Bereich Liquiditätsmanagement ist realistisch betrachtet derzeit eher ein „Schuldenmanagement“, erläutert Herta Seiler. Zweimal im Jahr tage der „Portfoliobeirat“, bestehend aus Landrat, Erstem Kreisbeigeordneten, zwei weiteren Kreisbeigeordneten, Konzernsteuerung, dem Finanzmanagement mit Revision und Vertretern der Helaba. „Wir gehen die zur Verfügung stehenden Finanzinstrumente durch. Wir schauen, ob es sinnvoll ist, umzuschulden. Beim derzeitigen Zinsniveau gibt es allerdings nicht mehr viel Jongliermasse“, so Seiler. Mittlerweile ist das Volumen der Investitionskredite niedriger als das der Kassenkredite.

Weitere Aufgaben des Fachbereichs sind die Mitarbeit am Aufbau eines Dokumentenmanagementsystems  (auch für die Archivierung) fürs ganze Haus, Gespräche und Strategierunden mit den politisch Verantwortlichen sowie der Politischen Steuerung, Sichtung und Freigabe von Kreisausschussvorlagen. Alle sechs bis acht Wochen gibt es routinemäßige Gesprächstermine bei den „großen Beteiligungen“ wie Kreisklinik oder Jobcenter sowie regelmäßige Treffen mit dem Finanzmanagement.

Ein mögliches Projekt der Konzernsteuerung ist das sogenannte Cash-Pooling. Der Begriff bezeichnet einen konzerninternen Liquiditätsausgleich. „Das könnte in Zukunft ein weiteres Instrument sein, um Gelder zu verwalten“, sagt Herta Seiler, der ein Faible für Zahlen gewiss nicht abzusprechen ist. Sie muss lächeln: „Man wächst da rein. Ja, ich komme ganz gut mit Zahlen klar.“

Elisabeth Straßer, hat Wirtschaft und Energie im Blick

Elisabeth Straßer

Elisabeth Straßer, Fachbereichsleiterin Wirtschaft und Energie, stammt aus der Pfalz und hat Erziehungswissenschaften an der Mainzer Universität studiert. Schwerpunkte waren Soziologie und Anthropologie. In diesem Studium, das sie mit dem Diplom abschloss, „habe ich gelernt, wie Kultur funktioniert, wie Systeme funktionieren“, sagt die 1954 geborene Elisabeth Straßer, die zudem Psychologie als Hauptnebenfach studierte. „Mich interessieren immer Prozesse, Mechanismen,  Systeme. Wenn man die Struktur von etwas – zum Beispiel von einer Verwaltung - verstanden hat, kann man darin agieren.“

Bereits während ihres Studiums war Elisabeth Straßer, die in Lampertheim lebt, freie Mitarbeiterin beim ZDF. Danach arbeitete sie fünf, sechs Jahre in den ZDF-Redaktionen Aktuelles sowie Kinder und Jugend. Schließlich strebte sie aber eine Festanstellung an und fand diese in Bensheim bei der Kreishandwerkerschaft. Die Zielgruppen, mit denen sie damals hauptsächlich zu tun hatte, waren Jugendliche, die eine Qualifizierung für den Arbeitsmarkt brauchten, und Frauen, die den beruflichen Wiedereinstieg wollten, erinnert sich die Fachbereichsleiterin.  Nach dieser Tätigkeit wurde Elisabeth Straße externe Frauenbeauftragte der Stadtverwaltung Bensheim. Dabei hatte sie immer die ökonomische Unabhängigkeit der Frau im Blick und damit verbunden die Möglichkeiten der Mobilität für Frauen in ihrer Region.

Nach mehreren Jahren bei der Stadt Bensheim folgte in den neunziger Jahren der Wechsel zum Kreis Groß-Gerau, wo Elisabeth Straßer ebenfalls Frauenbeauftragte wurde. Die Themen waren ähnlich.  „Ich habe zum Beispiel Arbeitsmarktkonferenzen organisiert“ oder es ging um Existenzgründung aus Frauensicht. Sie lobt ihre Vorgängerin Ulrike Cramer, die als Kreisfrauenbeauftragte eine „super Vorarbeit“ geleistet habe: „Das Feld war astrein bestellt, die Netzstrukturen waren alle schon vorhanden.“ Die Aufstellung des Aufgabengebiets durch die Vorgängerin habe der ihren entsprochen: „Das hat gepasst“.

Aber es gab noch neue Herausforderungen für Elisabeth Straßer in der Kreisverwaltung: Als das Büro für Arbeit, Umwelt und Technologie (BAUT) zur Zeit des Kreisbeigeordneten Folkmar Schirmer aus der Taufe gehoben  wurde, wurde sie dessen Leiterin. Aus dem BAUT entstand dann neu die Abteilung Wirtschaftsförderung, die Elisabeth Straßer ebenfalls leitete.  Zu ihren Aufgaben zählte zum Beispiel der Aufbau des Technologie-, Innovations- und Gründungszentrums (TIGZ) im Kreis, das in Gustavsburg angesiedelt ist. Ursprünglich gab es zwei Konzepte dafür – eins für den Südkreis und eins für Rüsselsheim. Aber zwei waren eins zu viel für den Landkreis, und sie musste die Projekte zusammenführen: „Da hatte ich gut schaff.“

Das gilt auch noch für die heutige Zeit. Zu neunt sind sie im Fachbereich und betreuen die Fachgebiete Energie, Wirtschaftsförderung und Flughafen.

Fachbereich Wirtschaft und Energie

Zum Bereich Wirtschaft zählen Wirtschaftsförderung, Existenz- und Unternehmensgründung, Marktförderung, Standortsicherung und Marketing. Fachbereichsleiterin Elisabeth Straßer sprudelt, wenn sie von den vielfältigen Aufgaben erzählt, die „meine Leute und ich sehr gerne machen. Die Arbeit ist hochinteressant“, sagt sie. Überall im Kreis sei unternehmerisch viel los, nicht nur im industrieller geprägten Norden. „Ich pendele seit jeher von Süden in den Kreis ein. Auch dort, im ländlicheren Teil, findet schon immer Wirtschaft statt.“

2017 gibt es die Existenzgründungsberatung, für die Margit Kühner zuständig ist, 20 Jahre. Seien es Einzelberatungen, Seminare, Fachkonferenzen oder Gründungstreffen: Wirtschaftsförderung und das Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum (TIGZ) in Ginsheim-Gustavsburg wirken zusammen, um für Informationsaustausch zu sorgen und zusätzlichen unternehmerischen Schwung in den Kreis Groß-Gerau zu bekommen, in dem es bereits mehr als 20.000 Unternehmen gibt – eine enorme Zahl, wie Elisabeth Straßer betont. Der Fokus liegt dabei auf Automobil- und metallverarbeitender Industrie sowie Chemie. „Ich sehe darin die Stärke des Kreises“, sagt sie: „Alte Industrie mit innovativem, zukunftsweisendem Gesicht.“ Seit 2003 besteht das Automotive Cluster, das Elisabeth Straßer mit initiierte. Und es gibt viele weitere „Perlen“, seien es Handwerksbetriebe  oder Dienstleister.

Für die Marktförderung sei es nötig, „Wissen zu sammeln und daraus Bedarfe zu entwickeln“. Darum sollen die Mitarbeiter im Fachbereich möglichst viele Unternehmen kennen und deren Einschätzungen hören. Diesem  Ziel dienen zum Beispiel Betriebsbesuche, um im persönlichen Gespräch zu bleiben, der Aufbau einer Datenbank (kommunales Wirtschaftsinformationssystem), sowie die Unternehmensbefragung, die alle zwei Jahre organisiert wird. „Damit erhalten wir aktuelle Informationen, hören, ob Betriebe zufrieden mit den Bedingungen im Kreis sind oder nicht. Die Umfrage ist ein praktisches Instrument der Bestandssicherung.“  Denn oft gehe es bei Problemen um Erweiterungswünsche von Firmen. Da könne der Kreis manchmal ebenso moderierend eingreifen wie in Bau- und Planungsfragen.

Planungssicherheit ist wichtig für Unternehmen, weiß Elisabeth Straßer. Wenn es Probleme gibt, ist sie dafür, diese nicht zu verschweigen. „Sie tauchen sowieso irgendwann auf. Deswegen habe ich gern alle Beteiligten an einem Tisch, um Fragen bei unseren sogenannten Genehmigungskonferenzen zu klären“, sagt Straßer, die ihren Fachbereich auch als Dienstleister für Unternehmen sieht.

Auch Betriebe und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leiden unter Lärm, sei es Lärm vom Straßenverkehr oder Lärm vom Flughafen Frankfurt, leitet Elisabeth Straßer zu einem anderen Zuständigkeitsfeld ihres Fachbereichs über: den Flughafen. „Wie geht man damit um, wenn das Wachsen des einen Nachteile für den anderen bringt“, fragt sie im Gespräch. Niemand habe Startbahn-West-Zeiten, zu der auch Krawalle und Gewalt gehörten, wiederholen wollen, als der Flughafen sich erneut ausweiten wollte. „Wir haben uns ins Planfeststellungsverfahren für die Nordwest-Landebahn eingebracht. Wir wollen eine Schnittstelle sein für Bürger aus dem Kreis und Bürgerinitiativen.“ Es geht dem Kreis um die Balance zwischen Wirtschafts-, Lebens- und Naturraum. Als Zeichen und Mittel des solidarischen Einsatzes für die Daseinsvorsorge von Menschen, die nah am Flughafen leben, wurde 2001 die Initiative Zukunft Rhein-Main (ZRM) gegründet: „Der Schulterschluss in der Region funktioniert bis heute“, so Straßer. ZRM holt sich fachliche Kompetenz  bei Anwält/innen und externen Gutachtern, informiert, klagt vor Gericht, schafft Öffentlichkeit – alles mit dem Ziel, die Lärmbelastung für die Kreisbürger, die vom Flughafen ausgeht, zu verringern.

Der Fachdienst Energie ist aus dem Energiekompetenzcenter hervorgegangen. Sein Bestreben ist es, die Möglichkeiten für erneuerbare Energien im Kreis auszuloten und zu verbessern. Dass das Projekt Geothermiekraftwerk der Überlandwerk-GmbH gescheitert ist, bedauert Elisabeth Straßer: „Es ist schade, dass es nicht klappt.“ Der Pioniergeist sei bemerkenswert gewesen und habe keine Häme verdient. Wärme bleibe aber ein Thema im Kreis Groß-Gerau – Sonne und Erdwärme ließen sich hier für die Energiegewinnung nutzen, nicht Wind und Wasser. „Sonnenenergie und Wärmepumpen – das wird strategisch betrachtet unser Thema. Die Fördermittelkulisse darf sich nicht nur um Strom drehen.“

Außerdem spielen Energieeffizienz und -einsparung eine wichtige Rolle, betont Elisabeth Straßer. Sie lasse sich durch bauliche Veränderungen verbessern, durch die Art der Bebauung, durch Grün, das natürliche Kühlung im Sommer bringt. Der Fachbereich bietet in diesem Zusammenhang  „qualifizierte Impulsberatung“. Zielgruppen dabei sind Bürger und Unternehmen, der Kreis mit seinen eigenen Liegenschaften und die Kreiskommunen, aber auch Schulen. Schon bei Grundschülern, zum Beispiel mittels Aufführungen des Energietheaters, ein Bewusstsein für endliche Ressourcen zu schaffen, ist ein Ziel der Arbeit im Fachbereich Wirtschaft und Energie.

Gabi Walter-Reichelt, die Frau fürs Bauen

Gabi Walter-Reichelt

Die Leiterin des Fachbereichs Gebäudemanagement, Gabi Walter-Reichelt, stammt aus Worms. Sie studierte an der TU – damals noch Technische Hochschule – Darmstadt Architektur und schloss das Studium 1988 mit dem Diplom ab. Im Anschluss arbeitete sie im Architekturbüro Kargel. „Dort habe ich das Bauen von der Pike auf gelernt“, sagt sie.  Beim Bau des Feuerwehrstützpunkts Rüsselsheim ist sie erstmals mit dem Kreis Groß-Gerau in Berührung gekommen, erinnert sich Gabi Walter-Reichelt: „Ich habe bei Werkplanung, Ausschreibung und Bauleitung mitgearbeitet.“

1995 machte sie sich selbstständig, war mit An- und Umbauten sowie Sanierungen beschäftigt. Allein zu arbeiten, gefiel ihr auf Dauer aber nicht, sie ist lieber im Team aktiv. Am 15. Februar 1999, sie weiß das Datum noch genau, fing Gabi Walter-Reichelt im Bereich Bauen und Liegenschaften der Kreisverwaltung Groß-Gerau als Projektleiterin an. Zunächst hatte sie als Schwangerschaftsvertretung eine befristete, danach eine halbe Stelle. Im Jahr  2002 übernahm sie eine Teamleitung innerhalb des Gebäudemanagements.

2008/09 folgte dann die Verantwortung für den neu geschaffenen Fachdienst Bau und Technik und damit die Verantwortung für alle Gebäude des Kreises Groß-Gerau. Heute hat der Fachbereich sechs Fachdienste: IT-Center, Bau und Technik, Service, Finanzen, Organisation sowie Bauentwicklung, Versorgung und Ausstattung (BVA). Rund 90 Leute arbeiten im Gebäudemanagement, inklusive der Mitarbeiter/-innen der Kantine im Landratsamt, der Hausmeister dort sowie der Hausmeister-Einsatzgruppe.

Ihre Chefin Gabi Walter-Reichelt wurde 1960 geboren und ist verheiratet. Sie lebt in Traisa. Ihre Hobbys sind Kochen, der Garten und Lesen.

 

Fachbereich Gebäudemanagement 

Der Fachbereich kümmert sich um die Kreisimmobilien, als da sind Verwaltungsgebäude, Volkshochschule, Kfz-Zulassung, Erziehungsberatungsstelle Groß-Gerau und vor allem die Schulen im Kreis (mit Ausnahme von Rüsselsheim und Kelsterbach, die selbst Schulträger sind; in Rüsselsheim gibt es allerdings drei kreiseigene Schulen). Die Sanierung von Schulen, die anhand einer Maßnahmen- und Dringlichkeitsliste vorangetrieben wurde, ist sehr weit gediehen, verlängert sich jedoch auch von Jahr zu Jahr.

Neue Herausforderungen entstehen durch die Entwicklung zu Ganztagsschulen und durch die Aufgabe, die  räumlichen Voraussetzungen für Schulsozialarbeit zu schaffen. Zudem gilt es Platz zu schaffen für die vielfältigen Angebote, die heute Bestandteil von Schule sind: von Mediation bis Meditation. Auch für spezielle Fördermaßnahmen im Rahmen der Inklusion braucht es zusätzlichen Raum und Umbaumaßnahmen, die Barrierefreiheit herstellen. Nicht zuletzt „laufen uns die Schülerzahlen davon“, so Gabi Walter-Reichelt. Die Bevölkerung wächst im Kreis Groß-Gerau, und durch steigende Schülerzahlen werden in Zukunft wieder Schulerweiterungen notwendig.

Das alles kostet viel Geld. Und weil bei starker Nachfrage die Preise und Kosten steigen, müssen jedes Jahr auch Maßnahmen geschoben werden. Dazu kommen Einflüsse von außen: ein sich ständig änderndes Vergaberecht, das laut Gabi Walter-Reichelt durch immer weitere Pflichten und Regeln der öffentlichen Hand das Bauen erschwert. Bei deutlichen Kostenüberschreitungen gegenüber dem ursprünglichen Auftrag muss heute genau überprüft werden, ob der Auftrag nicht neu ausgeschrieben werden muss. Und solche neuen Erkenntnisse, die zusätzliche Maßnahmen erforderlich machen, welche zu zusätzlichen Kosten führen, sind bei Sanierungen im Bestand kaum zu vermeiden. Was passiert dann, wenn es für ein Bauprojekt Fördermittel geben sollte? „Man muss höllisch aufpassen, nichts falsch zu machen, damit man nicht hinterher Geld ans Land zurückzahlen muss“, sagt Gabi Walter-Reichelt.

Spannend ist die derzeitige Entwicklung im Schulbau, erklärt die Fachbereichsleiterin Gebäudemanagement.  „Wir kommen weg vom Klassenraum zählen.“ Es werde flexibler geplant, zum Beispiel würden größere Räume vorgesehen, die man unterteilen kann. Ein wenig wie in den siebziger Jahren. An der Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim etwa ließen sich vier bis sechs Räume zu einem großen Saal zusammenfassen, „wie ein Lernlabor“. In den Grundschulen werden die Schüler jahrgangsweise zusammengefasst und es entsteht „Heimat“ für die jeweiligen Jahrgänge mit eigenen Aufenthalts- und Lehrerbereichen und eigenen Toiletten.

Das Gebäudemanagement arbeitet eng mit dem Fachbereich Bildung und Schule zusammen. Gemeinsam wird über Schulentwicklung, Baubedarfe und Lösungen von schulischen Problemen beraten. Zum Beispiel geht es um die Perspektive für die Beruflichen Schulen Groß-Gerau, wie nach Abriss des verwaisten PDS-Oberstufengebäudes - in dem die Beruflichen Schulen derzeit noch Räume nutzen - der „Campus“ Berufsschule weiterentwickelt werden kann. Die Planungsphase beginnt 2017.

Ein Projekt von vielen: „Wir haben eine Menge Baustellen parallel“, sagt Gabi Walter-Reichelt, die zum Beispiel auch für das Archiv des Landratsamts zuständig ist. Nach den Bauarbeiten und zahlreichen Umzügen von Abteilungen ist alles neu zu organisieren. Ein Zwischenlager für Akten gibt es jetzt in einem ehemaligen Lebensmittelmarkt in Goddelau, bei der dortigen Grundschule.

Mit der Übernahme des Aufgabenbereichs der internen Organisation wird von dort auch die Umgestaltung der Kreisverwaltung zu einer modernen digitalen Verwaltung gesteuert. Stichworte dazu sind e-governement und Dokumentenmanagement. „Es ist ein spannender Bereich mit immer neuen Herausforderungen“, so Gabi Walter-Reichelt.

Michael Weingärtner, Kreiswahlleiter und noch viel mehr

Michael Weingärtner

Seit Sommer 2000 ist Michael Weingärtner Leiter der Kommunal- und Bürgerdienste in der Kreisverwaltung. Der 1960 geborene Darmstädter studierte nach dem Abitur in Darmstadt Jura in Marburg und Frankfurt am Main. Nach dem Zweiten Staatsexamen Anfang der neunziger Jahre arbeitete er im Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Dort war er an mehreren Stationen tätig, zum Beispiel im Ausländerdezernat und im Baurecht, als Bürgerbeauftragter des RP und in der Kommunalaufsicht. In dieser Zeit erlebte Michael Weingärtner drei Regierungspräsidenten und war im Bereich Kommunalaufsicht einmal für ein dreiviertel Jahr ins Innenministerium in Wiesbaden abgeordnet.

Im Jahr 2000 erfolgte dann der Wechsel ins Landratsamt Groß-Gerau. Im Fachbereich Kommunal- und Bürgerdienste in der Kreisverwaltung hat sich immer wieder einmal etwas geändert. So gehört dort ursprünglich die Wasserbehörde mit in den Zuständigkeitsbereich. Sie wurde 2005 aus- und an anderer Stelle eingegliedert, dafür kam nachträglich zum Beispiel die Verantwortlichkeit für die Untersagung unerlaubten Glücksspiels hinzu. Auch das Gebiet Wahlen – Michael Weingärtner ist Kreiswahlleiter – wurde ihm später übertragen.

„Früher waren wir eine staatliche Behörde und befanden uns, via RP, im direkten Weisungsstrang der Landesregierung“, erinnert sich der Fachbereichsleiter. Mit der Änderung im Jahr 2005 seien auch die Beamten zu kommunalen Kreisbediensteten geworden. Heute sei man überwiegend Kreisordnungsbehörde – die allerdings immer noch im erwähnten „Weisungsstrang“ liege: zum Beispiel als Ausländerbehörde. „Als Fachbereich sind wir in den meisten Dingen ans Regierungspräsidium angebunden“, sagt Weingärtner.

Michael Weingärtner ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Als seine Hobbys nennt er Sport und Lesen.

 

Aufgaben im Fachbereich Kommunal- und Bürgerdienste

Drei Fachdienste gehören zum Fachbereich: erstens Kommunalaufsicht, Wahlen, Ordnungs- und Gewerberecht; zweitens Ausländer- und Personenstandswesen; drittens Verkehr. Alle drei sind wiederum in mehrere Aufgaben untergliedert. Allein das bedingt schon, dass die Dienste sehr selbständig arbeiten, wie Michael Weingärtner betont.

Die Ausländerbehörde steht seit einiger Zeit im Fokus: Die große Zahl von Flüchtlingen, die seit Sommer 2015 auch im Kreis Groß-Gerau angekommen sind, macht sich bemerkbar. Im Jahr 2016 gibt es, so die Erwartung Michael Weingärtners, bis zu 35.000 Kundenkontakte. Zeitweise wollen so viele Menschen ihre Papiere neu ausgestellt oder verlängert bekommen, dass „wir das kaum noch schaffen“. Daher gibt es etwa alle 14 Tage Sammeltermine für 100 bis 200 Leute. Die Vorbereitungen dafür dauern jeweils mehrere Wochen; dann stehen die nötigen Dokumente bereit.

„In Anbetracht der Gesamtlage ist die Atmosphäre relativ entspannt“, sagt Michael Weingärtner. Allerdings könnte noch mehr qualifiziertes Personal gebraucht werden, die Fluktuation im Team sei hoch. Bei aller Zusatzbelastung: „Der Fachdienstleiter der Ausländerbehörde und ich versuchen eine Überlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vermeiden“. Gut findet der Fachbereichsleiter, dass die Ausländerbehörde nach Ende der Bauarbeiten im Haus wieder im ersten Stock des Landratsamts angesiedelt ist und nicht mehr im Erdgeschoss: „Dort gibt es mehr Platz, Luft und Tageslicht.“

Ebenfalls viel Publikumsverkehr zieht die Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt an, die neben der Erteilung von Fahrerlaubnissen der zweite Aufgabenbereich des Fachdienstes Verkehr ist. In der Fahrerlaubnisbehörde werden jährlich rund 9000 Antragsverfahren bearbeitet (inklusive dem begleiteten Fahren mit 17). Auch werden pro Jahr rund 1200 Fahranfänger oder Leute mit Punkten in Flensburg verwarnt oder zur Teilnahme an einem Aufbauseminar verpflichtet.

In der Kfz-Zulassungsbehörde verteilen sich jährlich rund 225.000 Aktionen auf die Hauptstelle in Groß-Gerau sowie die Nebenstelle in Rüsselsheim (Opel-Standort), wo mit 60 Prozent sogar der größere Teil der Zulassungen erfolgt. Nur für die Zulassung sind rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. „Im Lauf der Zeit haben wir versucht, die Öffnungszeiten bei der Zulassungsstelle zu optimieren“, sagt Michael Weingärtner, „und wir sind nah dran“. Gut angekommen würden die Angebote, einmal in der Woche bereits um 7 Uhr zu öffnen (in Groß-Gerau dienstags, in Rüsselsheim mittwochs) und einmal nachmittags bis 17 Uhr (Groß-Gerau mittwochs, Rüsselsheim donnerstags).

Viele andere wichtige Dinge fallen in die Zuständigkeit von Michael Weingärtner und seinem Team. Da sind  zum Beispiel die Standesamtsaufsicht, Namensänderungen oder die Vorbereitung von Einbürgerungen. Bei den staatlichen Wahlen (Bundestag, Landtag, Europawahl) werden die Wahlvorbereitungen koordiniert und die Ergebnisse festgestellt. Bei den kommunalen Wahlen auf Kreisebene (Kreistag, Direktwahl des Landrats) ist der Fachbereich für die gesamte Organisation zuständig. 

Unter der Überschrift Ordnungs- und Gewerberecht findet sich das Thema Waffen und Sprengstoff: Im Zuständigkeitsbereich der Behörde sind rund 15.600 erlaubnispflichtige Lang- und Kurzwaffen bei Sportschützen, Jägern, Waffensammlern und Erben registriert. Die Waffenbehörde ist berechtigt, bei verdachtsunabhängigen Kontrollen die Aufbewahrung von erlaubnispflichtigen Schusswaffen zu kontrollieren. Derzeit gibt es rund 4100 Waffenbesitzer im Kreis Groß-Gerau.
Als Jagdbehörde erteilt der Fachbereich Jagdscheine, verlängert und widerruft sie. Rund 600 Jagdscheininhaber gibt es im Landkreis.