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Information der Kreisjugendförderung für Eltern und Pädagogen:

Smartphones in Kinderhand

Sie freuten sich über die große Resonanz, die der Infoabend „Smartphone, mein Kind und ich“ im Landratsamt erfuhr. Von links: Peter Schlimme und Elke Draxler von der Kreisjugendförderung/Jugendbildungswerk, Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer, Referentin Lena Pauwels von den Digitalen Helden Frankfurt und Ralf Schulmeyer von der Erziehungsberatungsstelle des Kreises Groß-Gerau. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – 110 Interessierte kamen zu der Veranstaltung „Smartphone, mein Kind und ich“, die die Kreisjugendförderung und das Jugendbildungswerk anboten. Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer empfahl in seiner  Begrüßung, bei aller Liebe zum Smartphone die „Vis-à-vis-Kommunikation für die Pflege sozialer Kontakte nicht zu vernachlässigen“. Übergeordnete Frage dabei natürlich: Wie sage ich’s meinem Kinde? Welche Regeln sollten wie vermittelt werden? 

Antworten gaben an diesem sehr abwechslungsreichen und lebendigen Abend Referentin Lena  Pauwels (Mentorenprogramm Digitale Helden Frankfurt, www.digitale-helden.de) und Ralf Schulmeyer von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Kreises Groß-Gerau. Die Digitalen Helden haben ihr „Peer-to-Peer-Konzept“, bei dem ältere, ausgebildete Jugendliche die Jüngeren beraten, an 80 Schulen in Deutschland installiert. Darüber hinaus veranstalten sie Elternangebote und Online-Seminare.

Dabei gibt es immer auch konkrete, bildhaft illustrierte Tipps. Was zum Beispiel haben Passwörter und Unterhosen gemeinsam? Man sollte sie öfter wechseln und mit niemandem teilen. Es ist gut, wenn man mehrere hat, und sie sollten sehr unterschiedlich sein.

WhatsApp-Gruppen (zum Beispiel ein Klassenchat oder im Sportverein) sollten vorher vereinbaren, was sie kommunizieren und was sie nicht haben wollen. Sonst wird jeder Unfug kommentiert und bis tief in die Nacht gezeigt und verfolgt. Beschränkt man sich nicht, können die Nutzungsdaten schnell auf 2000 gesendete und 10.000 empfangene Nachrichten wachsen. Generell sollten Eltern und Schule den Umgang mit Medien und mit WhatsApp diskutieren, rieten die Fachleute. Ralf

Schulmeyer sagte: „Man kann das Kind nicht davor schützen, dass es irgendwann in Chats schlechte Erlebnisse macht. Wenn sich das Kind dann anvertraut, hat man viel richtig gemacht.“ Ganz klar sei aber: „WhatsApp in Händen von Viertklässlern geht mit Ansage schief.“ Nervig an WhatsApp sind: Spam, Mails in der Nacht, Kettenbriefe, Antwortstress, ungefragt verwendete Fotos, Beleidigungen oder Rauswürfe aus der Gruppe.

Ab welchem Alter sollte ein Kind ein Smartphone verwenden dürfen? Die Antwort darauf hängt sowohl vom Alter als auch von den Kompetenzen eines Kindes ab. Eltern müssen ihre Kinder einschätzen. Wer sich sonst schon kaum an Regeln halten kann, wird es bei den digitalen Medien erst recht nicht tun. „Ein Smartphone ist der Zugang zur Erwachsenenwelt und die Nutzung muss entsprechend vorbereitet werden. Regeln sind immer wieder neu auszuhandeln“, riet Lena Pauwels.

Nach entwicklungspsychologischen Erkenntnissen lautet die Altersempfehlungen (jenseits gängiger Praxis): ab Klasse 5 ein Tastentelefon (Handy), ab Klasse 8 ein Smartphone ohne Internet(flat). Der Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen kann sich aber um plus/minus zwei Jahre im Vergleich zu Gleichaltrigen unterscheiden.

Häufigste Bedenken, die vorgetragen wurden, sind Dauernutzung, Ablenkung, unpassende Inhalte, Selbstentblößung, hohe Kosten durch In-App-Käufe oder Abo-Fallen, Mobbingwerkzeug, Strahlungswerte und (Ein-)Schlafstörungen. Um die Smartphone-Nutzung um Griff zu behalten, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten: eine Drittanbietersperre bei seinem Vertrag einrichten, keine Bezahlinfos auf dem Smartphone haben und ein Passwort für den Playstore einrichten, das nur die Eltern haben (Kontrolle über neue Apps). Weitere Hinweise gab es zu speziellen Apps, die zum Beispiel die Nutzung einschränken können.

Es gab in der Diskussion aber auch positive Aspekte: Ein Smartphone in Kinderhand bedeutet Erreichbarkeit, die Möglichkeit der Ortung, Medienkompetenzerwerb, Kreativitätsentfaltung und Identitätsbildung. Wichtig, so das Fazit, ist die Vorbildfunktion der Erwachsenen und deren Mediennutzungsverhalten. So kann eine „Handygarage“, in der abends alle Handys geparkt werden, ein deutliches Zeichen sein.

Wichtig sind Familienvereinbarungen, die in ruhigen Minuten vereinbart werden und die regelmäßig an das Alter und die Kompetenzen angepasst werden sollten. Kosten für die Mediennutzung müssen für Kinder und Jugendliche „spürbar“ und transparent sein;  Prepaid-Verträge sind in diesem Zusammenhang empfehlenswert, lernten die Zuhörer.

Die Resonanz der Gäste auf den Infoabend war sehr positiv, auch wenn ein paar  Themen - wie etwa Mobbing in Chats - durch die Fülle der Inhalte zu kurz kamen. Anregungen für Folgeveranstaltungen wird die Kreisjugendförderung auf alle Fälle aufgreifen.

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